Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn sie dazu dient, eine Gemeinschaftsgruppe von Menschen, die sich ein Ziel gesetzt haben, zusammenzuhalten. Die Disziplin braucht beim zionistischen Klub in der Tat nur eine lockere zu sein, denn Menschen, die sich durch ein gemeinsames Ziel verbunden fühlen, brauchen keine Poenen und sonstigen disziplinarischen Einrichtungen. Für das Uebergangsstadium des K.J. V. zum zionistischen Klub wird Disziplin in der bisherigen Form noch nötig sein, aber es muß während dieser Zeit ein Ausscheidungsprozeß aller derjenigen Elemente stattfinden, die für unsere zionistische Gemeinschaft, also letzten Endes für unseren zionistischen Klub nicht brauchbar sinct. Noch ein letztes Wort über unsere Bundesbrüderlichkeit: Diese hat. ebenfalls nur dann einen Sinn, wenn sich der einzelne Bundesbruder mit dem anderen Bundesbruder wirklich verknüpft fühlt. Es gibt in der Tat kein anderes gemeinsames Band als das zionistische Erlebnis. Letzteres muß so stark empfunden werden, daß es für jeden die höchste Pflicht it, sich für die zionistische Idee kämpferisch einzusetzen, sie zur Grundlage seines eigenen Lebens zu machen; Persönliche, echte Freundschaften sind möglich, aber in unserem Alter sehr selten. Denn seien wir uns über das eine klar: daß die heutige Altherrenschaft in jeder Beziehung versagt, ist zum großen Teil ihr selbst zuzuschreiben. Es gibt kNeine Krise des zionistischen Gedankens, es gibt nur ein Versagen der Zioiiisten. Darauf sind schließlich alle finanziellen Schwierigkeiten in Palästina zurückzuführen. Wenn wir'nicht so werden wollen, wie der größte Teil unserer Alten Herren, müssen wir mit der Säuberung im Kartell beginnen. Korporationsfreundliche Elemente müssen aus dem Kartell verschwinden. Dann erst kann eine Erneuerung des Kartells eintreten. Zur hochschulpoliiisdten Lage Von Ernst H a 1 i t z k i, (V.J.St. Hasmonaea, Berlin, A.H.) Durch den Ausgang der Abstimmung, die an den preußischen Hochschulen am 30. November über das neue Studentenrecht veranstaltet .wurde, hat sich die Situation innerhalb der Hochschulpolitik wesentlich verändert. Auf der einen Seite ist der nationalistischen Mehrheit der Studenten jetzt die Möglichkeit genommen worden, unter dem Schutze einer staatlich anerkannten Studentenschaft eine ihnen genehme in finanzieller und moralischer Hinsicht gesicherte Politik zu führen. Auf der andern Seite ist all den rechtsradikalen Elementen, die bisher Hemmungen hatten, sich an einer von der Republik geschützten Studentenschaft zu beteiligen, der Weg freigegeben, einen größeren Einfluß auf die Entwicklung der Dinge zu nehmen. Es war von vornherein zu erwarten, daß die Ja- und die Neinsager bei der Abstimmung nach deren negativen Ausgang in zwei getrennte nicht mehr staatlich legitimierte Gruppen zerfallen würden, die sich schärfer bekämpfen müssen, als es vorher innerhalb der gemeinsamen Studentenschaft im aligemeinen der Fall war. Es ist sehr bezeichnend, daß die Studenten der politisch linksstehenden Gruppen, die sich im allgemeinen unter dem Namen einer Freiheitlichen Studentenschaft zusammengeschlos- 34