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Der jüdische Student · 1928-03-01 · Heft 1 (März 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 1 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Eine andere Voraussetzung und wohl die wichtigste muß für unsere Problemstellung näher beleuchtet werden: Wir bekennen uns zum zionistischen Programm! Ohne in einen ideologischen Streit über die Richtigkeit der in der zionistischen Bewegung vorhandenen Weltanschauungen eintreten zu wollen, ist wohl allen Richtungen, vielleicht mit Ausnahme der revisionistischen Richtung eines gemeinsam: Zionismus fordert nach den bekannten Formulierungen von Hans Kohn und Fehx Weltsch ein Bekenntnis zu einem sittlichen Nationalismus, der sich sein Ziel in der Schaffung einer national-kulturellen Heimstätte oder politisch gesehen eines binationalen Staates in Palästina gesetzt hat. Jede andere Form des Nationalismus hat in unseren Reihen verwerflich zu sein. Die alleinige Erkenntnis, daß es ein Judenprobiem £ibt, das nur durch den Zionismus lösbar ist und gelöst werden mul, gem'.gt nicht. Auch die Arbeit in und für die zionistische Organisation ist nkht entscheideu4 Wir müssen über das Stadium der bloßen Empfindung jes Zionismus als eines einfachen Zeitproblems hinauskommen und uns selost so weit bringen, daß wir unsern Zionismus zu einer Weltanschauung machen, daß er unser Zentralproblem wird. Alle anderen uns beschäftigenden Probleme müssen eine Beziehung zu unserer nationinal-jüdischen Auffassung haben, sie müssen mit national-jüdischem Maßstab gemessen werden. Die Assimilation hat nur dann einen Sinn, wenn sie nach der neuesten Formulierung eine Assimilation im Dativ, nicht im Akkusativ ist. Nachdem so die Voraussetzungen für unser Problem gegeben sind, machen wir folgenden Vorschlag: Unsere Erziehung im Kartell hat dahin zu tendieren, daß eine geistige Auseinandersetzung aller durch den Zionismus entstehenden Probleme möglich ist und daß das Kartell wiederum wirklich der Träger der zionistischen Bewegung in Deutschland wird. Es müssen wieder Führerpersönlichkeiten herangebildet werden. Das ist nur möglich, wenn in unserem Kartell das Prinzip der Auslese herrscht. Dieses Prinzip kann unseres Erachtens nur dadurch erreicht werden, daß wir zur Grundlage all unserer Arbeit die geistige Auseinandersetzung machen; diese kann nicht in der Form unseres bisherigen Verbindungslebens erfolgen sondern nur in der Form des zionistischen Klubs. Jegliche andere Form tendiert auf ein Korporationsstudententum, das wir oben abgelehnt haben. Wir sind eben nichts besonderes. Was uns auszeichnen kann, das ist die geistige Haltung eines Akademikers, womit nicht gesagt werden soll, daß letzterer sie allein haben kann. Die Tatsache allein, daß jemand studiert, macht noch nicht seine geistige Haltung aus, viele Bundesbrüder besitzen überhaupt keine. Wir sollten deshalb ernsthaft anfangen, mit dem noch vorhandenen Rest des Korporationsstudententums aufzuräumen. Wir sollten allmählich die Einrichtung des Konvents wenigstens in dieser Form, den Unterschied von Füxen und Burschen und anderes mehr abschaffen. Diese Einrichtungen hemmen nur die Entwicklung zu unserem Idealzustand, nämlich dem zionistischen Klub. Es wird mir vor allen Dingen ein Einwand entgegengehalten werden: Wo bleibt die Disziplin? Dazu ist folgendes zu sagen: Jede Disziplin um ihrer selbst willen ist verwerflich; sie hat nur dann einen Sinn, 33

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