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Der jüdische Student · 1928-03-01 · Heft 1 (März 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 1 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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noch so kluge Formulierungen eines noch so klugen Präsidiums erlöst werden, sondern nur durch einen von unten kommenden Stoß und Sturm der sittlichen Kräfte, die aus dem erstarrten betriebsamen Gefüge einen lebenden zionistischen Bund machen. Dann wird sich auch zu dem Jnhalt die Form von selbst ergeben. III Es erübrigt sich, auf die Brüchigkeit eines augenblicklich gangbaren Schlagwortes wie „Werbung und Erziehung" hinzuweisen. Schon die Resultate dieser Erziehung müßten die verantwortlichen Menschen in den Verbindungen bedenklich stimmen. Man vergißt, daß eine Erziehung zum Zionismus nur durch Zionismus zu erreichen ist, und zwar nicht durch einen in akademischer Form vorgetragenen, sondern durch vorgelebten Zionismus. Hier müssen wir einhaken und unsere Erziehung wird ein anderes Gesicht und eine andere Note erhalten. So herrscht jetzt in weiten Teilen des Kartells und auch der ihm sonst nahestehenden jüdischen Jugend eine tiefe Mutlosigkeit über die Aussichten bündischer Arbeit; nicht mit Unrecht kann man sagen, daß die Verbindungen immer mehr das Aussehen von Geselligkeitsvereinen (u. U. mit einigen zionistischen Vorträgen) erhalten. Und auch Kurse über den Zionismus können den unl£bendigen Ton und die Langeweile nicht vertreiben. Diese Langeweile, das hat er offen gestanden, wollte Herbert Foerder durch die Politisierung des Kartells vertreiben und diese Langeweile, die sich wie ein Gespenst bei uns ausbreitet, treibt einen Teil der Aktivitas zu einer Formrevision. Seien wir uns darüber klar, daß es eigentlich gleichgültig ist, welche Form dieses Kartell hat, daß eine Revision der Formen höchstens eine Sache des persönlichen Geschmacks und keinesfalls ein Ausfluß einer 7ionistischen oder menschlichen Notwendigkeit ist. IV Nun noch folgendes: Daß ein Herzl-Club kaum besteht, ist bedauerlich. Ich glaube nicht, daß er besser bestehen würde, wenn wir keine Kaufleute mehr aufnähmen. Vielmehr würden diese Kaufleute meistenteils zionistisch garnicht erfaßt werden, denn der H.-C. ist augenblicklich zu gar keiner Aktivität in der Lage. Eher wäre es möglich, den H.-C. dadurch zu beleben, daß sich verantwortungsbewußte Bundesbrüder seiner Arbeit zur Verfügung stellen. Ferner wird behauptet, das K.J.V. würde, von Kaufleuten flicht belastet, an Schlagkraft an der Universität gewinnen. Die Besten, die, an denen uns am meisten liegt, wer(ben wir auf diese Weise nicht. Wohl aber würden wir manche abstoßen, denen bis jetzt am K.J.V. die betonte Unabhängigkeit von einer durch lächerliche Sitten verächtlichen Umgebung gefallen hat. Vielleicht gewinnen wir einige Provinzler, die sich an unseren hünenhaften Vertretern in Wichs und an den Melodien des Farbenliedes berauschen. Um dieser Leute willen, die wir bis jetzt mit Vergnügen zum K.C. gehen sahen, das ganze Kartell auf den Kopf zu stellen und unsere Ueberzeugungen zu opfern, wäre ein erschreckendes Eingeständnis unserer Schwäche. Vielleicht aber sind die durch eine derartige Revision angeblich erreichbaren Zwecke gar nicht der Kern der Sache, sondern es handelt sich da- 31

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