Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1928-03-01 · Heft 1 (März 1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 1 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537794-3537795--6720-3544748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

faktion mit der Waffe und der Sprengung des akademischen Rahmens bestehen. Jm Zusammenhang mit diesen programmatischen Punkten hat sich die Geringschätzung noch mancher anderer studentischen Institution, vor allem der Kneipe und einer gewissen Art der Geselligkeit gezeigt. Diese Einstellung war das Produkt der Jahre 1914—1920, begonnen unter dem Einfluß der deutschen Jugendbewegung, weitergeführt im Zeichen der Kriegserschütterung, des Sozialismus und der palästinensischen Wirklichkeit. Es entstand das Kartell des „Hornbrillenintellektuellen, des Chaluz, des Schillerkragenjünglings", über das Hubert Pollack etwas leichthin spotten zu können glaubt. Das Kartell konnte sich so unter den vollkommen veränderten Verhältnissen und Zuständen der Nachkriegszeit eine weitreichende Stoßkraft erhalten, die es damals in einem Maße, wie nie vorher noch nachher zur repräsentativen Gruppe der deutsch-jüdischen Jugend erhob. Aus einer tiefen Bemühung um den Zionismus fanden die K.J.V.er damals die ihnen gemäße Deutung der zionistischen Lage. Es handelt sich um die Chaiuzinth, um Hebraisierung und um die Erziehung zum zionistischen Staatsbürger. Diesem Gedankenkreis entsprach die damals geschaffene Form, die in bewußter Abkehr von dem studentischen Urefben der Vorkriegsjahre entstand. Nun sollen damit die Erfolge der Vorkriegszeit nicht geleugnet werden, aber sie wären mit denselben Mitteln nicht zu einer Zeit zu erreichen gewesen, der andere Perspektiven zur Verfügung standen. Darin haben wir den Wert des Kartells auch immer gesehen, daß es die Forderungen der Stunde zu verstehen sich bemühte, eine Bemühung, die nichts mit einer verwerfliche« Aktualitätshascherei zu tun hat, sondern allein dem Bestreben entsprungen ist, unsere Stellung zu dem Zionismus zu verstehen und seine Forderungen zu erfüllen. II Was tut unsere Generation, die Aktivitas von 1928, um sich eine Stellung zum Zionismus zu erringen und dessen Anforderungen nachzukommen? Hier sehen wir, daß sich diese Generation mit der Wiederholung alter Schlagwörter begnügt, an die sie, wenn sie ehrlich ist, selbst nicht ganz glaubt, denn sie hat diese Schlagwörter nur gelernt, aber nicht selbst durchdacht. Es fehlt an dem Versuch, über bequeme Formulierungen hinaus neue Erziehungsziele aufzustellen. Dieses Beginnen wird sich allerdings auch erst dann ermöglichen lassen, wenn unsere Bundesbrüder im Kampfe der zionistischen Tagesarbeit die Erfordernisse des zionistischen Lebens kennen gelernt haben werden. Denn bei den meisten, vielleicht bei uns allen, ist der Zionismus Literatur. Weder in der Ortsgruppenarbeit, noch in den zionistischen Jugendbünden, noch in den hebräischen Sprachschulen sind unsere Bundesbrüder anzutreffen. (Vielleicht gibt es einige Verbindungen, wo die Dinge anders Hegen) An der Tätigkeit der jüdischen Gemeinden sind sie nicht interessiert. In Polen oder Palästina war wohl keiner. Es sind Zionisten, die ihre Kenntnisse vorn zionistischen Leben und ihre ganze Ueberzeugung mühselig aus der Rundschau schöpfen. Woher sollten sie etwas wirkliches vom Leben des Zionismus wissen und sich ein Erziehungsideal danach schaffen? Herbert Foerders Politisierungsvorschlag war sehr schön, aber das Kartell kann nicht durch 30

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.