Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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kämpfung, jede Neigung zum Stunk verstummen lassen müßte, so muß schon allein die Ehrfurcht vor ihrer leidenschaftlichen und selbstlosen Hingabe an unsere Sache jedem Bundesbruder klarmachen, welche Haltung er ihnen gegenüber einzunehmen hat. Dieses vorausgesetzt, muß aber offen und rückhaltlos die Klage erhoben werden: Jene sonst so überaus wertvollen Bundesbrüder sind infolge ihrer persönlichen Veranlagung einseitig auf Lehren und politische Erziehung eingestellt, sie leugnen die Notwendigkeit körperlicher Ertüchtigung, den Wert männlicher Haltung und froher Geselligkeit nicht, — wie könnten sie es auch — Wird aber der Wunsch nach Förderung dieser Werte laut, so läßt das eilfertige Auffahren angeblich ebenso schwerwiegender als tatsächlich nicht überzeugender Hindernisse dagegen — Zeitmangel, Kriegswirkungen, die heutige Generation wolle das nicht (?) etc. etc. — und die gelangweilte, oft ironische und offensichtlich verjä-chÜiche Behandlung dieser Dinge schon kaum noch nur Gleichgültigkeit, sondern schon fast eine stille Feindseligkeit dagegen vermuten. Die jungen Bundesbrüder aber, die aus ihrem ganz gesunden natürlichen Instinkt heraus anders fühlen, werden angesichts solcher autoritativer Minidereinschätzuiig unsicher gemacht und eingeschüchtert. Die Wirkung ist der einer direkten Bekämpfung dieser Forderungen, einer direkten Unterdrückung normaler Instinkte einer gesunden Jugend gleich und die Resultate sehen wir. Zu einer solchen Unterdrückung aber hat der Einzelne, mag seine Person und sein Wirken noch so wertvoll sein, nur weil seine besondere, vielleicht etwas zarte Veranlagung vor einer Atmosphäre kräftigeren, derberen Verhaltens mimosenhaft zurückschreckt, kein Recht. Das Recht aber anders zu fühlen und anders zu wollen hat auch eine Jugend, die wie die unsere ernste Aufgaben zu erfüllen hat und erfüllen soll; ja diese braucht vielleicht gerade, um nicht bei der Notwendigkeit des Lernens und des Politisiertwerdens schließlich einem trockenen und düsteren Nazarenertum zu verfallen, einen Ausgleich durch frohes Streben nach körperlicher Schönheit und Kraft und einer frischon,, sinnigen Geselligkeit in Stunden des Ausruhejns. Scham und Zorn muß einen erfüllen, wenn man sieht, wie in dem ostjüdischen Chaluz in Erez Jsrael ein Typus aristokratischen Mannestums entstehe und welches Bild demgegenüber zeitweise ein Teil unserer jüngeren Bundesbrüder gewährt, denen es überlassen geblieben ist, sich auf Grund von i n Berlin oder anderen deutschen Großstädten konzipierter Jüdischkeit ein Bild der erstrebenswerten jüdischen Menschen zu konstruieren; und dabei ist es nicht einmal schlechtes Menschenmaterial, das zu uns kommt. Daß der Primat der geistigen Erziehung unbedingt festgehalten werden muß, ist selbstverständlich, es gehört aber die ganze trübselige Verbiegung eines tausend Jahre lang mißhandelten Volkes dazu, daß die Vereinbarkeit geistigen Wesens mit gesunder Körperlichkeit und irischer, heiterer Jugendlichkeit bei uns überhaupt eine Frage sein kann. Und wie man, ohne die Natürlichkeit dieser Synthese direkt zu bestreiten, sie tatsächlich verhindert, habe ich gezeigt. Und nun die Frage der Formen, die mit dem bisher Gesagten (nicht ganz ohne Zusammenhang ist. Unmittelbar nach dem Kriege kam zu dem 26