Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Erziehung im K. Jf. V. von Ludwig Conitzer (V.J.St. K a d i m a h , Hamburg, A.H.) (Vorbemerkung der Redaktion: Der nachstehende Aufsatz, welcher der Redaktion des J.St. seit Monaten vorliegt, aber durch ein Versehen des Präsidiums bisher nicht gebracht wurde, ist für den ist für den kommenden Kartelltag wieder aktuell.) Das Ziel des Zionismus ist die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes durch die Schaffung eines nationalen Zentrums in Palästina. Es ist klar, daß die Kenntnis der Situation des jüdischen Volkes in der Gegenwart eine der unentbehrlichen Grundlagen jeder zionistischen Ausbildung sein muß. Die Darstellung der Lage nicht nur der Weltjudenheit, sondern auch der in ihr lebenden Tendenzen, muß in der zionistischen |Fundierung unserer jungen Bundesbrüder einen breiten Raum einnehmen. Die zionistische Bewegung darf unseren Bundesbrüdern nicht a priori als der Gesichtspunkt hingestellt werden, von dem aus die Erscheinungen der jüdischen Welt zu messen und zu werten sind, sondern ist als eine der im Volke wichtigen Tendenzen darzustellen. Eine Vertiefung in die Probleme des Volkes und ihre Lösungsversuche hat dann aufzuzeigen, warum wir der zionistischen Lösung anhängen. Die Forderung nach einer breiten jüdischen Gegenwartskunde ist unabweislich. Als nächste Frage erhebt sich die nach der Art ihrer Eingliederung in die Systematik unseres Fuxenunterrichts. Jch möchte hier an Diskussionen erinnern, die auf der Berliner Tagung des Verbindungsrates im Dezember 1925 geführt wurden. Arinsteins Forderung, die Beschäftigung mit der Soziologie der jüdischen Massen ernsthaft aufzunehmen, wurde viel zu wenig beachtet. Kanowitz, der vom Präsidium mit dem Referat über die Fragen des Tendenzunterrichts beauftragt war, glaubte empfehlen zu sollen, daß unsere Tendenzkurse mit Auseinandersetzungen über Sozialismus, Kosmopolitismus, Aktivismus, Paneuropa usw. beginnen sollten. Er begründete das damit, daß diese Fragen es wären, die den jungen Menschen brennend interessierten; von ihnen sei auszugehen, das Wort „Zionismus" dürfe erst in der zweiten Hälfte des Semesters fallen. Ich glaube aber, daß wir mit voller Sicherheit und bei jedem unserer jüngsten Bundesbrüder nur eine einzige Frage voraussetzen dürfen, die ihn brennend interessiert: Das ist die jüdische Frage. Es ist klar^ einmal, daß es noch sehr viel andere Fragen gibt, die die meisten unserer Jüngsten brennend interessiert, andererseits, daß die jüdische Frage ja eines der Axiome ist, die an der Wiege der zionistischen , Auffassung stehen. Sicherlich ist der Entschluß des Keilfuxen, bei uns aktiv zu werden, von den verschiedensten z.T. sehr persönlichen Gründen bestimmt; aber von allen diesen Gründen gibt es nur einen einzigen, den wir in jedem Fall voraussetzen dürfen und voraussetzen müssen: Den Willen sich mit dem Komplex der jüdischen Fragen zu befassen, und die zionistische Lösung, wenn das ErgeDnrs crer ergehenden Prüfung während der Fuxenzeit dahin führt, als für sich verbindlich anzusehen, an ihr im Rahmen des Kartells mitzuarbeiten. Mehr können, weniger dürfen wir nicht fordern. Es soll hier nicht ein Schema für die Eingliederung» 22