Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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nachzugehen. Aber wir müssen für sie Zeit haben, wenn wir nicht einmal von ihnen überrannt werden wollen. Doch wo bleiben bei all diesen theoretischen Untersuchungen unsere konkreten zionistischen Aufgaben hier und in Palästina? Auch für sie haben wir bisher längst nicht genug getan. Mehrfach hat Holdheim in der Jüdischen Rundschau darauf hingewiesen, welch ein politischer und kultureller Schaden für den Zionismus es ist, daß wir in Deutschland keine zionistische Gesellschaft haben. Er hat die Bildung zionistischer Logen angeregt. Ein ernsthafter Versuch auf diesem Gebiet ist bisher nicht unternommen worden. Das Altherren-Ressort des K.J.V. hat hier Arbeitsmöglichkeiten. Für die Alt-Herrenschaft und nicht minder für das junge K.J.V. ist die Tätigkeit in den zionistischen Institutionen, in den Ortsgruppen und den Kultusgemeinden eine Pflicht. Seit Jahren machen immer wieder dieselben Menschen bis zur restlosen Erschöpfung ihrer körperlichen und seelischen Energien die zionistische Arbeit. Das K.J.V. hat der Z.VöföD. in den letzten Jahren kaum noch Nachwuchs gestellt. Fragt man nach den Ursachen, so wird man in erster Linie die krisenhafte Entwicklung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse nennen müssen, die dazu geführt hat, daß viele, denen es früher sehr wohl möglich gewesen wräre, nach Abschluß ihrer Studien der Organisation einige Jahre ihrer Arbeit zur Verfügung zu stellen, heute um ihre Existenz kämpfen müssen. Aber diese Tatsache allein genügt nicht. Wir wollen offen gestehen, daß das zionistische Pflichtbewußtsein der jüngeren Generation, d.h. der jüngsten Alten Herren und der Inaktiven zum großen Teil recht gering ist, weil es dem Karteil in den letzten Jahren an einer zielklaren, Begeisterung weckendfen, rrieniscihlich befire|ien'den Haltung und Führung gefehlt hat, weil unsere Verbindungen nicht jenen eingangs genannten Forderungen entsprachen, die an eine zionistische Erziehungsgemeinschaft zu stellen s ind. Dieser Zustand wird sich nur ändern, wenn unsere Verbindungen sich ändern und wenn die Führung des Kartells sich ändert. Erst dann wird die Klage über den Mangel an Nachwuchs in der Z.V.f.D. verstummen. Das Kartell aber hat die Pflicht, dafür zu sorgen, daß sie bald verstummt; nicht nur um jener Bundesbrüder willen, die wie Blumenfeld die zermürbende Last zionistischer Verantwortung zu tragen haben, sondern auch um unseres Bundes willen, der wertlos ist, wenn die Produkte seiner Erziehung nicht die Träger der zionistischen Bewegung in Deutschland sind. Die Palästinaaufgaben das K.J.V. sind, wie schon eingangs betont, verhältnismäßig gering. Trotz alledem sind sie vorhanden. Sie bestehen in einer unseren materiellen Kräften angemessenen wirtschaftlichen Unterstützung der nach Palästina übergesiedelten und übersiedelnden Bundesbrüder und in der Unterstützung wissenschaftlicher Institute wie der Universität, der Bibliothek, des Technikums u. ä. durch Bücher und Lehrmittel. Auch auf diesem Gebiet haben wir bisher versagt. Und das dürfen wir nicht. Es geht nicht an, daß sich ein Kreis palästinensischer Bundesbrüder an uns mit der Bitte wendet, für die wissenschaftliche Arbeit eines unserer Alten Herren in Palästina einen bestimmten, nicht übermäßig großen Geldbetrag in Raten hinüberzusenden und das Präsidium nicht weiß, woher es das Geld nehmen 19