Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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kommt, daß sie Juden sind, Menschen also, denen seii zwei Generationen der Wille zur Einordnung in eine Gemeinschaft fehlt, die disziplinlos sind. Diese Tatsachen machen es erforderlich, daß die Aeußerlichkeiten unserer Umgangsformen wieder in ganz anderem Maß beachtet werden. Unpünktlichkeit beim Betrieb, disziplinloses Verhalten während der Veranstaltung, mangelnde Höflichkeit im Umgang mit den Bundesbrüdern, insbesondere mit den Alten Herren, müssen unnachsichtig geahndet werden. Es erscheint notwendig, die Kommentfuxenstunde wieder einzuführen. Man mag das alles für Kleinigkeiten, Unwesentlichkeiten halten. Aber diese Kleinigkeiten machen nun einmal ein gut Teil des Zusammenlebens von Menschen aus, und ohne sie zu berücksichtigen, kann keine menschliche Gesellschaft, geschweige denn eine Gemeinschaft existieren. In diesem Zusammenhang ist die Frage aufgetaucht, ob es nicht zweckmäßig sei, durch Einführung der Couleur die Bundesbrüder zu diszipliniertem Benehmen zu zwingen. Mir erscheint das überflüssig und unsinnig. Ein zionistischer Akademiker ist kein Corps-Student. (Die von einigen Bundesbrüdern erhobene Forderung nach Wiedereinführung der Satisfaktion ist indiskutabel. Sie ist weder mit unserer zionistischen Anschauung zu vereinbaren, noch hat sie irgendeinen erzieherischen Wert. Wenn uns einer antisemitisch rempelt, genügt die Faust — Sportfechten ist eine ganz andere Sache.) Die Formenfrage ist auch in dem Sinne gestellt worden, ob wir die korporativen Formen beibehalten oder aufgeben sollen. Das ist eine reine Zweckmäßigkeitsfrage. Solange wir als Bund jüdischer Akademiker Wert darauf legen, an deutschen Hochschulen aufzutreten und mit den anderen jüdischen und nichtjüdischen Verbänden zu verkehren (warum wir daruf Wert legen müssen, wird weiter unten erörtert), sollten wir nicht auf die korporative Form verzichten. Im Rahmen der deutschen Hochschulen haben Studentenklubs noch keinen Platz. Sie widersprechen der historischen Entwicklung der Formen, in denen sich in Deutschland die Studenten organisiert haben. Daher bedeutet jeder Versuch eines Verzichts auf die akademische Form, so wie wir sie heute haben, zugleich einen Verzicht auf den Konnex unseres Bundes mit den anderen studentischen Organisationen. Zu den Voraussetzungen eines gelungenen Verbindungsbetriebs gehört schließlich noch die regelmäßige Durchführung geselliger Veranstaltungen. Die Abschaffung der Kneipe hat hier eine Lücke gelassen, die wir bisher noch nicht wieder ausgefüllt haben. Sache der Kartelleitung wird es sein, durch Umfrage bei den Verbindungen gewisse Grundlinien für derartige Veranstaltungen festzulegen und so eine Einrichtung zu schaffen, die den geselligen Wert der früheren offiziellen Kneipe zu ersetzen vermag. Gleichzeitig müßte, ebenfalls in ständigem Konnex mit den Verbindungen, für die Herausgabe eines Kartell-Liederbuches Sorge getragen werden. Bei unsern Veranstaltungen fehlt oft genug Musik, die doch ein gemeinschaftsbildendes, menschenverbindendes Element ist, wie kaum ein anderes. Zusammenfassend ist zur Formenfrage zu sagen: Eine stärkere Betonung der Form in der oben angedeuteten Art ist eine Voraussetzung für die Existenz unserer Verbindung. In diesem Sinne ist die Formenfrage eine Lebensfrage unseres Bundes, aber nur in diesem Sinne. Es ist sehr bedauer- 16