Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Deshalb sind gute Verbindungen für den zionistischen Wert und die zionistische Bedeutung des Kartells entscheidend. Gute Verbindungen sind weder solche, in denen gute Kurse mit gediegener Darstellung zionistischer Probleme abwechseln, noch solche, in denen der „Betrieb" klappt und die geselligen Veranstaltungen ausgezeichnet besucht sind. Die Güte einer Verbindung wird überhaupt nicht durch diese sieht- und wägbaren Fakten bestimmt, sondern durch das Maß der persönlichen Verbundenheit ihrer Mitglieder und durch den Grad, in dem Zionismus (als persönliche Verpflichtung) für den einzelnen Bundesbruder zur Selbstverständlichkeit, ja, zur Daseinsnotwendigkeit geworden ist. Charakteristikum der guten Verbindung ist die Bundesbrüderlichkeit, d. h. jene unbedingte Achtung voreinander, die aus dem Bewußtsein und dem Vertrauen;erwächst, daß ein jeder der zionistischen Verpflichtung unter vollem Einsatz seiner Kräfte genügt. Nur eine solche Verbindung kann wertvolle Menschen werben und zu Zionisten in dem oben angedeuteten Sinne erziehen. Nur in einer solchen Verbindung haben gute Kurse, gelungene gesellige, erfolgreiche Sportveranstaltungen eine pädagogische Bedeutung, einen zionistischen Sinn. Die Existenz derartiger Verbindungen ist eine Notwendigkeit. Sie setzt Verschiedenes voraus: Die Verbindung muß eine gewisse Größe (erfahrungsgemäß etwa 12 bis 15 Aktive) haben, um den äußeren Anforderungen des Betriebes gerecht zu werden. Sie muß überdies einen festen, nicht von Semester zu Semester wechselnden Menschenbestand haben, um eine Verbindungstradition (ein Erziehungsfaktor von kaum zu überschätzender Bedeutung!) entwickeln zu können. In den Jahren nach dem Kriege haben wir diese Dinge gern unterschätzt. Erst im letzten Kartelljahr hat das Innere und Ueberweisungsressort nicht ohne Erfolg den Versuch gemacht, diese organisatorischen Voraussetzungen unserer Arbeit zu schaffen. Das Geleistete ist aber nur ein Anfang. Es ist notwendig an allen Großstadt-Universitäten große kontinuierliche Verbindungen zu schaffen. Dazu bedarf es einer planmäßigen Kleinarbeit des Inneren und Ueberweisungsressorts, dazu bedarf es weiterhin einer intensiven Führung unserer Werbearbeit. Denn nur bei ständig wachsendem Nachwuchs ist die Möglichkeit einer entsprechenden Besetzung der verschiedenen Verbindungsorte gegeben. Zu diesen organisatorischen tritt eine pädagogische Voraussetzung, die von uns in den letzten Jahren gleichfalls nicht genügend berücksichtigt worden ist: die Formen unseres Verbindungslebens. In dieser Sache stimme ich vollständig mit den Ausführungen überein, die A.H. Stein in dieser Nummer des J.St. d azu macht; ich möchte sie nur in bestimmter Richtung ein wenig erweitern. Es gibt in der ganzen Welt keine Gruppe, deren Mitglieder nicht nach bestimmten Konventionen miteinander verkehren. Man könnte sagen, diese Konventionen seien für uns durch die Umgangsformen der guten Gesellschaft in Deutschland gegeben. Dies mag vielleicht richtig sein, von praktischer Bedeutung für uns aber ist, daß unsere Bundesbrüder aus sehr verschiedenen sozialen Schichten kommen und sowohl ihrer intellektuellen Schulung wie ihren Umgangsformen nach durchaus heterogen sind. Hinzu IS