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Der jüdische Student · 1928-03-01 · Heft 1 (März 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 1 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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kann ohne Schädigung der palästinensichen Volkswirtschaft nur als Chaluz oder als Unternehmer mit eigenem Vermögen hinübergehen.) Dem Experiment der Chaluziut haben sich nach dem Kriege so wenige selbst unserer besten und widerstandsfähigsten Bundesbrüder gewachsen gezeigt, daß man es wohl nicht noch einmal als Aufgabe des Kartells ansehen wird. Mit diesen Tatsachen müssen wir rechnen. Sie sind gegebene und wenig beeinflußbare gesellschaftliche Faktoren im Dasein des K.J.V. die den Umkreis unserer Möglichkeiten eng begrenzen. Der zionistische Schwerpunkt unseres Bundes liegt in der Galuth, nicht in Erez Jsrael. Das mag eine bittere Erkenntnis sein. Doch wozu gegen Windmühlen kämpfen? Es ist notwendig, sich mit der Wirklichkeit abzufinden und das zu tun, was man tun kann; das aber auch ganz und gründlich. Nicht erzwingen kann das Kartell von seinen Menschen eine den Daseinsbedingungen Palästinas entsprechende* Berufsümschichtung'. Woh ' kann es die Bundesbrüder dazu erziehen, nicht nur theoretisch die zionistische Bewegung als die Lösung einer abstrakten Judenfrage anzuerkennen, sondern sie als die höchst konkrete Antwort auf wesentlichste Fragen ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu erleben. Es kann sie zu Männern erziehen, die entschlossen sind im Rahmen ihrer individuellen Berufsmöglichkeiten einmal nach Erez Jsrael überzusiedeln, und die, solange sie hier leben, der zionistischen Bewegung nach besten Kräften dienen. Dies ist die Aufgabe unseres Bundes. Sie ist schwierig genug, um unsere größte Sorgfalt und unseren ganzen Energieeinsatz zu erfordern. Aber sie ist lösbar. Durchaus falsch ist die Behauptung, für die heutige Fuxen- und Keilfuxengeneration könne Zionismus nicht mehr das beglückende und revolutionierende Erlebnis sein, das er noch den Generationen von 1921 und 1922 gewesen sei. Wer sich über den Mangel an Schwung, an Pathos bei der heutigen Generation beklagt, legt falsche Maßstäbe an. Gewiß, diese heutige Jugend ist nicht mehr so leicht zu berauschen, sie denkt nüchterner, materieller, zweckbewußter. Ihr fehlt die Fähigkeit, mit verkrampftem Fanatismus und geschlossenen Augen einer tönenden idealistischen Parole zu folgen. Aber darum ist sie weder ärmer an Energie, noch einer großen Leidenschaft weniger fähig. Man muß es nur verstehen, die Leidenschaft zu entfachen, die Energie auszulösen. Man muß erziehen, zu Zionisten erziehen. (Zionist sein aber heißt in Deutschland nicht, eine bestimmte politische Ueberzeugung in jüdischen Dingen haben, sondern heißt, sich bewußt den entjudenden Einflüssen der Gesellschaft, in der wir leben; heißt, sich erfolgreich dem Ansturm der entwurzelnden Ideen Europos widersetzen; heißt, inmitten einer revolutionären Entwicklung der menschlichen Gesellschaft, wie sie seit der Renaissance nicht dagewesen ist, eine jüdische Gesellschaftsidee, die Judenstaatsidee, verwirklichen wollen; heißt, Charakter haben.) Erziehung, d.h. Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung, vollzieht sich nicht durch Einwirkung eines Individuums auf den Zögling, sondern durch Einwirkung der Umwelt. Die zionistische Umwelt unserer Bundesbrüder ist die Verbindung. Sie ist der Träger unserer K.J.V.-Erziehung. 14

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