Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ermöglicht, hier erst Zionismus voll und ganz zu begreifen. Dann könnte aus solch einem K.J.V. eine große Zahl Menschen hervorgehen, die innerlich und äußerlich imstande sind, einer nach Führung ausschauenden zionistischen Jugend den Weg in gemeinsamem Zusammenleben zu weisen. Nicht als Lektoren und Kursleiter, sondern als Weggenossen. Wir glauben, daß das K.J.V. heute seine Kräfte konzentriert und systematisch dem Neuaufbau der zionistischen Jugend zuführen muß, um der Erhaltung des Zionismus willen, um seiner selbst willen. Denn hier ist eine Aufgabe, .die uns niemand abnehmen kann. V. Der junge K.J.V.er darf die Z>eit für seine zionistische Bewährung und Erfüllung nicht erst in die Zulkunft verlegen. Auch heute schon muß die Gesamtheit des K.J.V. (nicht nur die Alten Herren) mit allen ihren Kräften an dem Neuaufbau einer zionistischen Organisation aktiv mitwirken. Abgesehen von all den inneren und äußeren Schwierigkeiten, mit denen die zionistische Politik und Wirtschaft heute zu kämpfen hat, ist wohl das schwerwiegendste Moment die Tatsache der völligen Ueberalterung ihrer Träger. In keinem zionistischen Parlament, in keiner zionistischen Institution sind heute jugendliche Menschen mit voller Verantwortung mitvertreten. Das liegt, wie uns scheint, nicht etwa an Kliquenwirtschaft oder an mangelnder Bereitschaft der führenden Generation, uns an der Verantwortung teilnehmen zu lassen, es liegt vielmehr an dem Fehlen eines jeden konzentrierten, jungzionistischen Willens. Während die eigentliche Jugendbewegung, d. h. die Menschen von 15 — 2G Jahren etwa, kaum für eine direkte Arbeit innerhalb der zionistischen Orgjanisationen in Frage kommt, ist das K.J.V. in jeder Hinsicht berufen, der zionistischen Organisation immer wieder einen Strom neuer Arbeiter zuzuführen. Wir sehen heute das K.J.V. im wesentlichen mit sich selbst beschäftigt. Alle Diskussionen drehen sich um uns selbst. Wir haben ganz vergessen, daß das K.J.V. letzten Endes auch um seiner Aufgaben willen da ist. Wir fürchten, daß in seiner gegenwärtigen Verfassung das K.J.V. zu einer fruchtbaren Gestaltung zionistischer Gegenwartsarbeit nicht fähig ist. Weder haben wir klare Vorstellungen von Formen und Methode einer zionistischen Propaganda, noch haben wir genügend klare Vorstellungen von Entwicklungstendenzen im Weltzionismus, noch fühlen wir uns berufen, die Gestaltung des werdenden Palästinas als unsere Aufgabe zu empfinden. Nun glauben wir, daß eine Erfassung aller dieser Aufgaben niemals auf dem Wege der Belehrung und der Information erfolgen kann. Alle zionistischen Erkenntnisse werden uns tot bleiben, wenn sie nicht Tag für Tag i m Leben bewährt werden. Heute gibt es im K.J.V. keine Diskussion, die von irgendwelcher Bedeutung für die wirkliche zionistische Arbeit werden könnte. Wohl gibt es eine Reihe von K.J. V.ern, die in den verschiedensten Positionen zionistisch mit Erfolg tätig sind. Aber für ihre Arbeit empfangen sie vom K.J.V. nichts als im besten Falle innerliche Impulse und gewisse formale Vorstellungen. Den Antrieb für eine wirklich fruchtbare zionistische Diskussion im K.J.V. werden wir jedoch nicht nur durch unsern guten Willen und durch die Erkenntnis der Notwendigkeit empfangen. Wir werden auf viele Fra- 10