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Der jüdische Student · 1928-03-01 · Heft 1 (März 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 1 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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junge Mensch wird rmr den Weg suchen ,der ihm entspricht. Nur der Chaluz, der in voller Erkenntnis seiner Kraft, seiner Möglichkeiten und seines Platzes im zionistischen Gesamtwerk und nur der zionistische Arbeiter im Galuth, der innerlich jeden Augenblick bereit ist, einen Platz in Palästina einzunehmen, werden vereint das neue Judentum und das neue Palästina bauen können. Für eine so geartete schwere Erziehungsarbeit, in der es nicht um Formein gehen wird, sondern um Leistung, steht heute die zionistische Jugend führerlos da. Und als Zeichen dieser inneren Rat- und Führerlosigkeit sehen wir einen Prozeß sich anbahnen, der, konquent geführt, die Kontinuität zionistischen Geschehens auf das ernsteste gefährden muß. Die Vorstellung von der Ausschließlichkeit des zionistischen Werkes, von der Einzigartigkeit der zionistischen Organisation und der lebensrettenden Funktion Palästinas ist mehr und mehr einer verschwommenen jüdischen „Kultur- und Wirklichkeits"-sehnsucht gewichen, in der zionistische. Organisation und zionistisches Wollen mit anderen jüdischen Werten „gleichgesetzt" werden. Daß Zionismus nicht Partei, sondern Er- Äeuerung des Volkes ist, daß Palästina nicht ein Versuch jüdischer Erneuerung, sondern einzige Rettung eines zerfallenen Judentums ist, muß einer Jugend, die die Balfour-Deklaration nicht mehr selbst erlebt hat, heute erneut von uns gesagt und vorgelebt werden. Dazu bedarf es eines Zionismus im K.J.V., der nichts Beruhigtes an sich hat, der sich immer erneut der Auseinandersetzung stellt. Dazu bedarf es einer Atmosphäre der Lebendigkeit und Jugendlichkeit in unserem Bunde, die von außen gesehen, uns leider so sehr mangelt. Um heute Anziehungskraft auf eine junge Generation auszuüben, müssen wir alles Kliquenhafte ablegen, zu dem es heute verhängnisvolle Ansätze bei uns gibt, müssen uns weit nach allen Seiten öffnen, um Menschen verschiedenster Art und Herkunft in unserem Bunde zu bergen. Nichts wäre verhängnisvoller, als wenn das K.J.V. sich zu einer Kadettenanstalt eines bürgerlichen Zionismus entwickeln würde, nichts verhängnisvoller, als wenn das Wunschbild des jungen K.J.V.ers jetzt schon wesentlich bestimmt würde durch Fragen seiner bürgerlichen Existenz, des Berufs, der Karriere. Junge Menschen, die ihren Lebensweg so vorgezeichnet sehen, von denen man das Gefühl hat, daß sie durch keinerlei innere Erschütterungen mehr zu bewegen oder aus ihrer Bahn zu zu bringen, erfahren naturgemäß stärkste Ablehnung durch echte Jugend. Wir würden es auch für bedauerlich halten, wenn die sog. Formenfrage, die jetzt leider als einzige Diskussion im jungen K.J.V. geführt zu werden scheint, zu einem Rückfall, in eine überlebte und endgültig tote Formen- und Vorstellungsweit führen würde. Was einmal im B.J.C. Ausdruck unseres Zionismus, Ausdruck einer jüdischen Würde und Männlichkeit war ,würde heute zu schreckenerregender Karrikatur werden. Ganz abgesehen von der Unechtheit solcher Bemühungen, studentische Formen oder eine spezifisch studentische Geselligkeit erneut küstlich zu schaffen, würde es uns endgültig die Sympathien und das Vertrauen der zionistischen Jugend kosten, die uns heute noch, wie wir glauben, aus Unkenntnis, mit fast unüberwindbarem Mißtrauen gegenübersteht. Als Forderung ergibt sich für die Jugendpolitik des K.J.V. folgendes: Schaffung einer Atmosphäre im K.J.V., die es den aus der Jugendbewegung hervorgehenden Menschen 9

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