Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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fach versucht, entscheidend in den Entwicklungsgang der zionistischen Jugendbewegung einzugreifen. Leider ohne Erfolg. Es hat sich, als der Blau- Weiß auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung war, kämpfend dieser Entwicklung in den Weg zu stellen versucht, ohne Erfolg. Nichts wäre verkehrter als sich heute mit dem Bewußtsein zu begnügen, die damals dem Blauweiß drohenden Gefahren richtig erkannt zu haben. Wir glauben beinahe, daß die Zeit für eine Jugendbewegung, wie sie dem K.J.V. damals vorschwebte und heute noch vorschwebt, nicht reif war, daß erst die „klassische" Jugendbewegung überwunden werden mußte, um einer neuen Form Platz zu machen ,die heute im Werden ist. Während in der Jugend der Vorkriegs- und der u nmittelbaren Nachkriegszeit der bündische, irrationale, apolitische Gedanke überwog, hat sich heute die Jugendbewegung von diesen Triebkräften immer mehr und mehr freigemacht und ist zweckhafterer, rationalerer Zielsetzung zugänglich geworden. Die Jugendbewegung sucht heute nach Bewährung in der Wirklichkeit. Während sie früher jeder Führung und Zielsetzung, die von außen an sie herantrat, mißtrauisch und ablehnend gegenüberstand, sucht sie naturgemäß heute Anschluß an die gestaltenden Kräfte der Gesellschaft, um sich aus ihr für ihre spätere Bewährung Anregung und Förderung zu holen. Natürlich werden auch heute nur Menschen auf sie Einfluß gewinnen können, die um der Jugend willen sich ihr zuwenden und die verstehen können, daß nur das von einer Jugend getan und gewollt wird, was ihrem Wesen entspricht und sich aus ihrem Leben als selbstverständliche Forderung ergibt. Die Kluft zwischen Jugend und Alter wird nie zu überbrücken sein. Wohl aber ist heute die Zeit dafür reif, daß die Jugend, wenn sie in der ihr vorhergehenden Generation die Vollstrecker auch ihres Willens sehen wird, zur 'Mitarbeit am gemeinsamen Werk, zur Bewährung in derselben Aufgabe bereit sein wird. In der heutigen zionistischen Jugendbewegung herrscht in Nachwirkung der Erschütterungen der letzten Jahre eine außerordentliche Unsicherheit. Chaluziuth und Uebersiedlung nach Palästina können schon aus äußeren Gründen nicht mehr zur einzigen Forderung erhoben werden. Wir wissen heute ,daß auch in einer Periode erneuter zionistischer Expansion in Palästina nur verhältnismäßig wenige sinnvolle Aufgaben in Palästina finden werden. Wir wissen aber auch, daß positiv die Aufgaben im Galuth, der Kampf um die Erneuerung des Judentums, der Kampf um die Mittel und Menschen für das werdende Palästina Anspruch auf die Hingabe der besten zionistischen Kräfte erheben werden. Die Bewährung in diesem Kampf wird man nicht mehr als Verlegenheitsaufgabe der Zurückbleibenden ansprechen können. Die Situation hat sich nicht so entscheidend gegen über der Vorkriegssituation geändert, wie man es unmittelbar nach der Balfour-Deklaration glaubte, sodaß man die Uebersiedlung nach Palästina als einzige Form der Verwirklichung ansprach. Eine zionistische Jugend zu erziehen ,die mit derselben Hingabe, mit derselben Entschlossenheit und mit demselben Gefühl von echter Bewährung hier den Kampf mit dem Judentum aufnimmt, wie sie den Chaluz erfüllt, muß das Ziel unserer Jugenderziehung werden. In einer solchen Jugend wird es keinen Rangunterschied zionistischer Erfüllung geben. Kollektivparolen werden nichts mehr gelten. Der besonnene Führer wird jedem seinen Platz anweisen. Der gereifte *