Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Irakkommission, Da eine Verständigung zwischen der Türkei und England nicht erreicht werden konnte, wird auf Betreihen Grantings eine Kommission eingesetzt die an Ort und. Stelle feststellen sollte, oh eine Volksabstimmung zweckmäßig sei und im übrigen Material für die Entscheidung zu sammeln beauftragt wurde. Der Kommission wurde es überlassen, wie sie vorgehen wollte. Zu Mitgliedern der Kommission wurden der Ungar Graf Teleki, der Schwede af Wirsen und der Belgier Oberst Paulis ernannt. Diese Kommission, der sowohl türkische wie englische Beisitzer mitgegeben wurden, erreichte am Itj. Januar 1925 Bagdad, nachdem sie vorher in London und Angora gewesen war. Am 27. Januar traf sie in Mossul ein. Inzwischen stellte es sich heraus, daß zwei der türkischen Beisitzer aus dem Irak stammten und der englischen Behörde als Unruhestifter und pro türkische Propagandisten bekannt waren. Darauf richtete der Hohe Kommissar für das Irak an die Kommission und der britische Minister des Auswärtigen einen scharfen Protest gegen die Anwesenheit dieser beiden Persönlichkeiten im Irak an den Völkerbund. Die Kommission stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß diese Beisitzer unbedingt notwendig wären und wies die englischen Ansprüche ab. Bei den Arbeiten der Kommission ergaben sich wiederholt Schwierigkeiten, da die Kommission sehr scharf auftrat und wohl auch nicht immer engiandfreundiieh war. Die Kommission überflog verschiedentlich das Gebiet-, um sich ein Bild vom Lande zu machen und stellte auch durch Befragen der Bevölkerung die Stimmung im Lande fest. Ende März verließ sie das Land und begab sich nach Genf zurück. Während des Aufenthaltes der Kommission im Lande brach in den kurdischen Gebieten der Türkei ein Aufstand aus, der von türkischer Seite als von den Engländern angezettelt bezeichnet wurde, der aber wahrscheinlich seinen Ursprung vielmehr in französischen Machenschaften zu suchen hat. Ob er auf die Völkerbundskommission irgendwelchen Eindruck gemacht hat, ist jedoch wohl mit Sicherheit zu verneinen. D er B e r i cht der V ö 1 k e r b u n d s k o m m i s s i o n : Die Kommission stellt in ihrem Bericht vom September 1925 das folgende fest: 1. Daß sie der Ansicht sei, der türkische Vorschlag eines Plebiszites wäre unzweckmäßig. Ein solches würde unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen und ergäbe zweifelhafte Ergebnisse. Der Vorschlag der Türkischen Regierung würde möglicherweise zu einem Bürgerkriege im Lande selbst führen. 2. Der Name Irak sei wohl auf den südlichen Teil des Landes, niemals aber auf die Mossulgebiete angewandt worden. :l. Die Grenzansprüche der Engländer würden eine gute Grenze ergeben, jedoch sei die Brüsseler Linie ebenso geeignet. Die von der türkischen Regierung verlangte Grenzziehung sei gut, soweit sie im Westen durch die Wüste führe, aber nicht in ihrem östlichen Teil. Der nördliche Teil des Landes sei mit Syrien und den angrenzenden anatoiischen Gebieten im Charakter verwandt dagegen sei der südliche Teil etwa vom kleinen Zab an mehr persisch und irakisch im Charakter.