Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Bericht über den VIL Kartelltag des K. J. V. lernisch, s:u,1 'icher und ergiebiger diese Auseinandersetzungen waren, als sie in den sonst zur Verfügung stehenden Gremien möglich und üblich sind. Der erste Tag des Kartelltages wird um %2 Uhr nachts geschlossen« * / Der zweite Tag des Kartelltages begann um 93^ Uhr vormittags mit Berichten einzelner K. J. V. Korporationen im Reich. Danach wird Bileski das Schlußwort zu seinem Referat erteilt. Hierauf erhält Julius Lewinsohn, Königsberg, das Wort zu seinem Referat über Erziehung und Unterrichtsfragen im Kartell. Jede lebendige jüdische Erziehung muß versuchen, an die jüdische Geistesgeschichte anzuknüpfen; das kann jedoch nicht heißen: Uebernahme der Tradition in ihrer Gesamtheit. Vieles davon ist für uns bereits nicht mehr erzieherisch auszuwerten. Wenn wir uns an der Vergangenheit orientieren wollen, kommt es nicht auf das Quantum an, sondern darauf, daß wir aus der jüdischen Geschichte diejenigen Elemente herausschälen, aus denen zu ersehen ist, wie der Jude die Weit in verschiedenen Zeitpunkten betrachtet hat. Es wäre interessant, festzustellen, wie weit der Jude der Gegenwart, besonders des Ostens, noch verknüpft ist mit der Vergangenheit. Es gilt also eine Reproduktivierung der jüdischen Vergangenheit und als zwreites die Produktivierung der jüdischen Gegenwart. Wir müssen wissen, was in der jüdischen Welt vor sich geht. Wir brauchen eine Ueberliefcrung des Tatsachenmaterials. Den Zusammenhang damit haben wir verloren. Ich glaube nicht, daß das Hebräischkönnen ausreicht, um den Zusammenhang mit der nichtdeutschen jüdischen V/elt zu finden. Wir müssen in die Fuxenstunden noch anderen Stoff nehmen, den ich als jüdische Volkskunde bezeichnen möchte. Und müssen die Bundesbrüder über alles, was in der jüdischen Welt vor sich geht, orientieren, wie z. B. über Polen, das ein so ausgeprägter jüdischer Organismus ist. Und wir müssen ihnen für die politischen Zusammenhänge die Augen schärfen. Mit dem Hebräischlernen haben wir noch nicht der Weisheit letzten Schluß erreicht. Die Vorkonferenz über Erziehungsfragen hat daran festgehalten« daß die A-H-ierung wie bisher auf Grund eines hebräischen Examens erfolge. Sie hat folgendes Programm für den hebräischen Unterricht aufgestellt: Einteilung in acht Semester, d. h. in achtmal sechs Monate. 1, und 2. Semester: Grundelemente der hebräischen Formenlehre; 3. und 4. Semester: Vertretung dieser Kenntnisse, insbesondere Lautlehre; 5. und 6. Semester: syntaktische und stilistische