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Der jüdische Student · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Date
1927-06-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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22 Bericht über den VII. Kartelltag des K. J. V. Nach der Rede von Kanowitz wird die Sitzung bis zum Nachmittag vertagt, Nach Wiedereröffnung des Kartelltages erhält Boris Silberl das Wort. Er betont, daß politische Erziehung in viel höherem Maße als bisher betrieben werden müsse. Man solle sich aber rein theoretisch mit dem Probleme auseinandersetzen, eine wirkliche Entscheidung könne man nicht verlangen. Man könne dazu erziehen. Unsere zukünftige Arbeit müsse darauf ausgehen, ein starkes Kartell zu schaffen. Pollack wendet sich scharf gegen die Meinung, daß das Kartell an der Brüchigkeit seiner Ideologie leide. Nicht Ideologien und Programme — über deren theoretische Richtigkeit man ad infinitum streiten könne; recht behalte doch, wer zufällig zuletzt rede, — sondern durch Menschen werden Bewegungen gemacht. Dies verkannt zu haben, sei der entscheidende Fehler des Präsidiums gewesen. Seine Opposition richte sich deshalb nicht so sehr gegen das Programm des Präsidiums, wenn er auch dagegen Bedenken habe, als vielmehr gegen die mangelnde Beziehung des Präsidums zum Leben des Gesamtkartells, insbesondere gegen die Vernachlässigung der gemeinschaftsbildenden Kräfte des Kartells. Seine Behauptungen über das Versagen der Führung begründet er außer mit dem Verhalten des Präsidiums in der Blauweißfrage mit zahlreichen anderen Einzelheiten, bei deren Erörterung er sich im wesentlichen auf den Artikel von Foerder und Kanowitz im letzten J. St. stützt. Salix Kirsch führt aus: Das Kartell sei bedroht, wenn ein derartiges Mißtrauen, wie bisher, zum Ausdruck kommt. Von selten des Präsidiums sei gefehlt worden, vor allem auf dem Gebiete der Werbearbeit. 80 Prozent der Neugewonnenen waren Zionisten oder nannten sich wenigstens so. Wenn es leichter sei, Nichtzionisten zu werben, warum habe man sie nicht gewonnen? Wir sind unbefriedigt mit dem bisherigen Zustand, an dem weder das Präsidium noch die Verbindungen die Alleinschuld haben. Immerhin müsse man anerkennen, daß die Bundesbrüder des Präsidiums sich am zionistischen Leben in Deutschland beteiligt haben. Mit der Politisierung seien nicht alle Möglichkeiten der Arbeit im Kartell erschöpft. Man müsse sich immer wieder mit der Frage der menschlichen Voraussetzungen unseres Zionismus befassen. Aufgabe des Kartells sei es, eine sich von den anderen abgrenzende Gemeinschaft zu bilden. Innerhalb des Kartells seien grundsätzlich alle Fragen zu diskutieren, z. B. auch die des Revisionismus; dazu muß aber die Notwendigkeit von innen heraus gegeben sein. Es scheine ihm, daß man einerseits mit der Arbeit des Präsidiums nicht restlos zufrieden sein könne, andererseits sei aber auch das Mißtrauen nicht begründet. Zionistische- Arbeit sei auch Kartellarbeit, sie sei eine Frage des Gewissens. Alired Schwarz: Politisierung aus pädagogischen Rücksichten sei nicht nötig und nicht möglich. Wir seien verantwortlich für die zahlreichen Blauweißen. Das Kartell habe die Verpflichtung, sich um die Jüngeren zu kümmern.

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