Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über den VIL Kartei: i des K. J. V. 21 £cn, und zwar ohne Votum. Das sei k alte Wahrheit, aier eine immer noch gültige. Die Erziehung im I _ teil sei durch das Staatsbürgerideal bestimmt, das auch heute noch für die Richtung unserer politischen Erziehung ausreichend sei. Als letzter Redner vor der Mittagspause sprach Kanc^/iiz für das Präsidium. Wir haben erwarten müssen, daß sich die Stimmen der Opposition in einem viel fundierteren und leidenschaftlicheren Ausmaß melden würden, als dies der Fall war. Es ist augenblicklich eine Zeit der Hochkonjunktur für Opposition. Es ist leicht,, Opposition zu machen in einer Zeit, in der die ganze zionistische Tätigkeit so außerordentlich schwierig ist. Eine Opposition hat nur nash zwei Richtungen hin Sinn, indem man entweder ganz andere Vorstellungen, als sie der bisherigen Arbeit des Präsidiums zugrunde lagen, entwickelt, oder aber, indem man trotz grundsätzlicher Billigung Einzelheiten der Tätigkeit des Präsidiums kritisiert. Dabei müsse man sich überlegen, wTie weit der Spielraum des Erfolges ssi. Die Zahlen des Nachwuchses sind nicht imponierend, aber irreführend ist die Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten, wsbei als Erfolg nur die sogenannten Nichtzionisten gebucht werden sollen.. Einen Zionisten (im wesentlichen handelt es sich um frühers Blauweiße) dem K. J. V. zuzuführen, ist eine wichtigere und unter Umständen schwierigere Aufgabe, als die Gewinnung manches Nichtzionisten. Die Entwicklung des Blauweiß hat ja gezeigt, laß die Blauweiß-Erziehung keine Gewähr für eine zionistische Erziehung bot. Es ist mindestens ebenso wichtig, diese zionistisch enttäuschten und skeptischen Menschen aufzunehmen und zu erziehen, als andere, die ein unbeschriebenes Blatt sind. Werbeerfolg ist keine Frage des Fleißes, der Organisation und der Technik, sondern des zionistischen Menschen. Alle Werbeanstrengungen werden nicht darüber Hinwegtäuschen, daß dieses zionistische Menschentum bei uns in Gefahr zu geraten droht. Zionisten können entweder dahin resignieren, daß sie die Durchsetzung des zionistischen Zieles überhaupt für unmöglich halten, oder aber, daß sie nicht mehr daran glauben, in ihrem Leben den Zionismus verwirklichen zu können. Verluste nach diesen beiden Richtungen hin sind groß, und es geht sicher jetzt ein großer Demarkationsprozeß vor sich, wo sich die Verzichtenden, Resignierenden von uns zu lösen beginnen. Wir müssen verlangen, daß Menschen, die nicht mehr glauben, den Mut aufbringen, zu sagen, wir können nicht mehr, unsere Kräfte sind erschöpft Es genügt nicht, daß wir die Worte von Zionismus und jüdischer Renaissance im Munde führen, auch die nichtzionistische Jugend spricht von jüdischem Volkstum und Renaissance des Jüdischen Geistes. Wir müssen wieder durch unser Leben überzeugend wirken. Das Kriterium zionistischer Echtheit ist nicht ausschließlich die Uebersiedlung nach Palästina, sondern eine wahrhaft zionistische Lebensführung, erfüllt von Arbeit an sich selbst und OpxersiEn. Dazu unsere Menschen zu erziehen, ist Aufgabe des K. J. V.