Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1927-06-01 · Heft 2 (Juni 1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 2 (Juni 1927)
Date
1927-06-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537790-3537792--6633-3544660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

20 Bericht über den VIL Karteiltag des K. J. V. Ais erster Redner der Generaldebatten sprach Lichiheinh Hr v/andle sich dagegen, daß man in unzulässiger Weise die Stellungnahme zu aktuellen politischen Fragen mit der zionistischen Gesinnung des einzelnen identifiziere. Er sieht in einer allzu starken Politisierung des Kartells, vor allem in der Forderung: aktuelle Fragen im Kartell zur Entscheidung zu bringen, eine erzieherische Gefahr, da bei der Kompliziertheit des politischen Fragenkomplexes die jüngeren Bundesbrüder zu einem bedenklichen Dilettantismus gebracht werden würden, wenn sie — ohne eine ausreichende Kenntnis der objektiven Voraussetzungen — zu solchen Entscheidungen gezwungen werden würden. Schloßberg betont, daß in dem Gedanken der Politisierung — wie ihn das Präsidium vertritt — gar kein grundsätzlich neues Moment zu sehen sei, sondern daß es in den guten Zeiten des Kartells immer so gewesen sei, daß das Kartell die zionistische Politik in Deutschland entscheidend mitbestimmte. Nicht die Politisierung sei der neue Schritt, sondern daß die Politisierung sich auf ein neues Gebiet erstrecken solle, sei die Aenderung. Bisher sei das Kartell blind an den innerzionistischen Differenzierungen vorbeigegangen. Die Politisierung müsse in den internen Kartellorganisationen Platz greifen. Eine theoretische Scheidung von Politik und Erziehung sei unmöglich; denn Politik sei ein Gebiet der Erziehung. Lichtheim befürchte eine Erziehung zum „Dilettantismus"; er vergesse, daß dieselben Menschen, um die es sich hierbei handelt, ja bei Kongreßwahlen bereits unmittelbar zu den Problemen Stellung nehmen. Bei der Politisierung sei nicht der Schlußakt der Abstimmung das wesentliche, sondern die vorbereitende Diskussion in den Kartellverbindungen, die allerdings durch die. vom Präsidium verlangte Abstimmung erst ihren besonderen Anreiz empfangen würde. Irvin Fisher: Bei der Stellungnahme zu der Arbeit des Präsidiums handle es sich nicht nur um die Frage der Politisierung, sondern um das Gesamtleben des Kartells. Das Präsidium habe sich zu weit von dem Leben des Kartells entfernt. Er stützt sich hierbei auf die Berichte der Ressorts im letzten J. St., in denen wiederholt betont werde, das Präsidium habe aus dem Kartell keine Anregung für seine Arbeit empfangen. Auch die Altherrenschaft stehe abseits vom Präsidium und dem Kartell. Er wendet sich sodann gegen die Form, in der das Präsidium das Vorabkommen mit dem Blauweißen geschlossen habe. Die Opposition habe sich gegen die „Fusion gewandt, weil kein fusionsfähiger, zum Teil kein fusionsbereiter Partner vorhanden gewesen sei. Zu der Frage der Politisierung habe das Präsidium die Diskussion verschoben. Es sei falsch, anzunehmen, daß durch den Anreiz einer Abstimmung und durch den mit ihr verbundenen Appell an die Leidenschaften das politische Interesse und die politische Erziehung der Bundesbrüder gefördert werden würde. Die Aufgabe des Kartells bestehe darin, neue Menschen für den Zionismus zu gewinnen und diese durch Darstellung und Diskussion zu einer zionistischen Meinungsbildung und politischen Reife zu brin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.