Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über den VII. Kartelltag des K. J. lieh zwischen dem letzten Kongreß und demjenigen, der in diesem Jahre stattfindet, nur wenig weiterentwickelt. Wir müssen arbeiten an der Konkretisierung unseres politischer: Weltbildes. Alle Gruppen gehen davon aus, daß der deutsche Zionismus wichtige Aufgaben in der Gesamtbewegung zu erfüllen habe. Er wird diesen nur gerecht werden können, wenn er aus der abstrakten Luft philosophischen Schauens in die reale Wirklichkeit tritt. Man beklagt beute die Bürokratisiesrung der Bewegung. Es gibt auf der anderen Seite wenige, die die notwendigen Kontrollfunktionen auszuüben imstande sind, eüie Initiative und politisches Rüstzeug haben, d. h. unsere Fragen wissensmäßig genügend beherrschen. Die nächste Generation «Fcs deutschen Zionismus müsse in dieser Richtung einen Schritt weiter sein. Daneben erfordere die Situation des Kartells eine Weiterentwicklung in unserer Arbeit, Es müßte ein Ansatzpunkt gefunden werden, um die Kräfte des K.J.V. einzusetzen. Die Auseinandersetzung wird heute auf zwei Ebenen geführt: das K. J.¥. kämpft für den Nationalisicrungsprozeß im deutschen Judentum;; daneben hat es bereits erzogene Zionisten. Der Einzelne kann das beglückende Gefühl des zionistischen Erlebens in gleicher Farm haben v/ie frühere Generationen; aber das Staatsbürgerideal, an dem wir nach wie vor festhalten, ist zu Ende gedacht. Jede Generation braucht eine spezifische geistige Aufgabe: die unsere kenn nicht Zionisierung heißen, sondern Anteilnahme am innerziaßiistischen Differenzierungsprozeß. Die Befürchtungen, die man im Zusammenhang mit Jsr Politisierung gehegt hat, sind unberechtigt. Niemand denkt daran, das K.J. V. aus einer Erziehungsgemeinschaft zu einem politischen Zweckverband zu degradieren. Gefordert wird eine politische Diskussion über politische Fragen im Kartell und Entscheidungen im Rahmen des Kartells. Uebermittlung von Kenntnissen ist nicht genügend. Für uns bedeutet Politik nicht eine Lehrdiszügjlin theoretischen Wissens, sondern eine Schulung für die Praxis. Im Wesen des Begriffs jeder politischen Tätigkeit liegt ein kämpferisches Moment, der Wunsch, sich durchzusetzen. Dieses Stinasrlans soll ausgenutzt werden zur Belebung unserer Arbeit. Auf des* Kartelltag muß es ein ernsthaftes bundesbrüderliches Ringen um die Entscheidung zionistischer Probleme geben; die Bundesbrülerlichkcit, der menschliche Zusammenschluß ist hierdurch nicht gefährdet; die Echtheit und Stärke menschlicher Beziehungen kann sich nur erweisen, wenn man sie auf die Probe stellt. BundcsbrMerlichkeit muß bestehen trotz sachlicher Spannung. Wir brauchen Kampf, Auseinandersetzung, leidenschaftliches Anteilnehmen. Sehon jetzt durch die Aussprache über die Frage der Politisierung ist eine deutliche Belebung im Kartell bemerkbar. Das Kartei ist eine Organisation, in der Jünglinge zu Männern erzogen v/erden sollen, » * .. O ö Ö « Banner aber sind nicht an unsere Gemeinschaft zu bissden, v/enn Sle nicht ihre wesentlichsten Inhalte im Kartell auslebm können.