Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrheit aus Erez Israel 57 zwei Völker beherbergen, davon hoffentlich die Juden in großer Mehrheit, aber der Weg zu diesem Ziel ist nicht mit Bajonetten, sondern mit ruhiger, zielbewußter, schrittweiser Arbeit gepflastert. Die Politik der englischen Regierung gegenüber der Errichtung des jüdischen Nationalheimes war, und ist heute genau so. durchaus fair. Man hat uns nicht mehr und nicht weniger gegeben, als man versprochen hatte: einen glänzenden Start, die Balfourdeklaration und San Remo, und eine Rennbahn, die wir uns ja schließlich selber ausgesucht haben, Erez Israel. (Uganda wäre für England bequemer gewesen.) Man hat uns vielleicht nicht immer genügend unterstützt, hat uns auch öfter Unbequem üchkeiten bereitet, die man hätte vermeiden können; wer aber davon spricht, daß sämtliche zionistischen Pläne als unerwünscht unterdrückt wurden", der ist entweder sachlich nicht unterrichtet oder böswillig. (Ruthenberg!) Wer uns einreden will, daß die „antisemitischen'*, lies antijüdischen, Beamten unanfechtbar seien, die „antisemitischen", lies ebenfalls antijüdischen, Araber unterstützt werden, der tue nur einen Blick in die arabische chauvinistische Presse. Dort wird dasselbe Lied gesungen, nur mit dem Vorzeichen: antiarabisch. Und wenn wirklich UebergrifTe seitens untergeordneter Regierungsorgane vorgekommen sind, was gar nicht geleugnet werden soll, so hat die Zionistische Exekutive durchaus nicht .Jedes Protestauftreten befürchtet", sondern unsere berechtigten Forderungen durchaus energisch und würdevoll an den zuständigen Stellen vorgetragen und meist auch durchgesetzt (Gendarmerie, Klagemauer). Es ist ebenso wenig richtig, daß die Exekutive in der transj o r d a n i s c hen Fr a g e ..stets das Schweigen bewahrt" habe. Wer seine zionistische Belehrung nicht nur aus dem Rasswjet bezieht, weiß ganz genau, daß Dr. Weizmann immer in seinen Reden betont hat, daß wir auf Transjordanien nicht verzichtet haben und niemals verzichten werden. Was die Frage der „Zuteilung der K r o n g ü t e r" angeht, so ist diese Forderung ja gerade von der Zionistischen Exekutive erhoben worden, solange bis man sich von ihrer Unzeitgemäßheit überzeugt hat. (Die der Regierung gehörigen Böden sind so schlecht, daß die Ameliorationskosten mehr betragen würden als Kaufpreis und Ameiiorationskosten zusammen bei Böden des freien Marktes. Das Landwirtschaftliche Departement der Regierung kauft z. B. für seine Versuchsfelder selbst neues Land. Was die Böden bei Beisan betrifft, so hätte ihre Ueberweisung an Juden die Vertreibung von mehreren tausend beduinischen Fellachen, die dort schon de jure und de facto mehrere hundert Jahre saßen, bedeutet, ein Schritt, den Sir Herbert Samuel, nach vorheriger Beratung mit den betreffenden zionistischen Stellen, klüglich unterlassen hat.) Auch die Zollpolitik der Regierung „bestrebte" weder die „Unterdrückung der lokalen Industrie", noch sah die Exekutive die wirtschaftliche Rettung nur in der „Heranziehung der phi-