Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Wahrheit aus Erez Israel lantropisch gesammelten Kapitalien." Gewiß ist das heutige palästinensische Zollsystem durchaus entfernt davon, ideal zu sein, auf der anderen Seite vorläufig aber doch in einem wirtschaftlich so unentwickelten Lande die einzige Möglichkeit, zu festen Einnahmen zu gelangen. Auf der einen Seite wird ein hoher Schutzzoll für die Industrien verlangt, die bereits in Palästina bestehen oder in der Gründung begriffen sind, auf der anderen Seite Zollfreiheit für die dazu benötigten Rohstoffe und Maschinen. Eine Betrachtung des Zolltarif es, wie er heute ist, zeigt, daß das ursprüngliche starre System eines allgemeinen Einfuhrzolls von 12 Prozent auf alle Waren längst durchbrochen ist. Dieser Wandel ist gerade auf das unausgesetzte Bemühen der Zionistischen Exekutive im Verein mit den Wirtschaftsinstitutionen zurückzuführen. So liegt, um einiges herauszugreifen, auf Seide und Wollgarn kein Zoll, auf fertigen Web- und Wirkwaren dagegen ja (12—15 Prozent). Die für uns so wichtige Textilindustrie ist also geschützt. Dasselbe gilt für Streichhölzer, Zement, Schokolade, Zigaretten, die alle mit Zöllen bis zu 20 Prozent belastet sind, um die lokale Industrie zu ermutigen. Natürlich kann die Regierung dieses System nicht ad infmitum ausbauen, um den Lebensindex nicht allzu hoch hinaufzutreiben. Wir sehen: der aktiven Politik des Revisionismus bleibt kein großes Betätigungsfeld mehr übrig. Man scheint das im revisionistischen Lager selbst zu fühlen. Da man den sachlichen Boden für eine Opposition verliert, greift man zu dem Mittel der Beschimpfung und Entstellung. Oder ist es etwas anderes, wenn Herr Dr. Brutzkus uns erzählen will, die Juden in Palästina seien „Bürger zweiten Ranges" oder gar „unerwünschte Fremdlinge"? Will er nicht sehen, oder geht sein Haß gegen die Exekutive so weit, daß er nicht mehr sehen kann? Wer nie das stolze Gefühl erlebt hat, in Erez Israel als Freier unter Freien zu leben, der sollte schweigen. Kein Land der Welt gibt einem Einwanderer die Möglichkeit, nach zweijährigem Aufenthalt das Bürgerrecht zu erwerben, und das britische Weltreich pflegt seine Pässe im aligemeinen nicht an Bürger zweiten Grades und unerwünschte Fremdlinge auszuteilen, Herr Dr. Brutzkus. Genug. Ich glaube gezeigt zu haben, daß der Zionismus der aktiven Politik" des Revisionismus nicht bedarf, um weiter zu kommen. Kein Mensch wird die unendlichen Schwierigkeiten leugnen wollen, die unser noch harren, und jeder von uns wird gern bereit sein, sich belehren zu lassen, von welcher Seite auch immer. Dem Versuch aber, unsere ohnehin schon schwierige Situation durch das Hinausschreien von Tatsachen, die kerne Tatsachen sind, unmöglich zu machen, um sich in der Verwirrung der Geister der Macht zu bemächtigen, denn das ist Re visionismus, diesem höchst dilettantischen Beginnen mit aller Energie entgegenzutreten, ist das Gebot der Stunde.