Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Wahrheit aus Erez Israel als in jedem Balkanstaat oder auch in Italien. Seit den Pogromen ist kein Jude mehr von arabischer Hand ums Leben gekommen. Was aber die „Wehrvereine" und den „Selbstschutz" betrifft, den unsere „Notablen und Ghettojuden", wie Herr Dr. Brutzkus so vornehm schreibt, angeblich ablehnen, so sei ihm gesagt, daß es keine Judenschaft in der ganzen Welt gibt, die innerlich und organisatorisch so bereit ist, ihr Leben zu verteidigen. Die pa lästinensische Jugend braucht das revisionistische Kriegsgeschrei nicht, um zu wissen, was ihre Pflicht ist, und sie setzt dem ewigen „immer dran denken, immer davon sprechen4' ihr ruhiges „Nachdenken und Schweigen4' entgegen, dem „si vis pacem, para bei ium" ihr „si vis pacem, para pacem". Diese Friedens- und Verständigungspolitik ist von Sir Herbert Samuel eingeleitet worden und bleibt vielleicht sein größtes historisches Verdienst, und ebenso wichtig ist es, daß die Zionistische Exekutive nach langen inneren Kämpfen diesen Weg des Friedens ebenfalls beschritten hat. Er hat sich als richtig erwiesen. Während sich die ganze orientalische Welt in Kämpfen verzehrte, konnten wir ruhig an die Ausgestaltung unseres Nationalheimes schreiten. Während es in Marokko, in Tripolis und in Aegypten, in Syrien und im Hedschas brannte, hat sich die jüdische Bevölkerung in Palästina mehr als verdreifacht, ist von 9 auf fast 20 Prozent der Gesamtbevölkerung gestiegen, sind Städte und Kolonien auf dem vierfach vermehrten Bodenbesitz gegründet worden. Auch die direkte Verständigung mit den Arabern hat große Fortschritte gemacht, wie man z. B. jetzt bei den Vorbereitungen zu den Munizipalitätswahlen glänzend beobachten kann. Man rechnet mit uns, die Engländer, die Araber, selbst die Franzosen in Syrien, als mit einem Machtfaktor. Und dies alles ist erreicht worden und wird sich weiter erreichen lassen ohne die Bataillone des Revisionismus und nur ohne sie. Warum singt man in Paris noch die Wacht am Jordan, während wir in Jerusalem schon bei Locarno sind? Sicher sind auch Fehler gemacht worden, von den Engländern und von der Zionistischen Exekutive. Aber welche Regierung macht alles richtig? Palästinapolitik kann man nur in Palästina selbst erlernen, und wahrer Revisionismus wäre es, wenn man auf Grund der Bedingungen, wie sie Palästina nun einmal bietet, mit seiner Armut und mit seinen Arabern, seine politischen Anschauungen in der Richtung des Möglichen revidieren würde. Gerade Weizmann hat sich in dieser Beziehung sehr gut „belernt", wie man hier sagt, von „Palästina jüdisch wie England englisch" bis zum Weißbuch und weiter. Man kann das natürlich sehr leicht als Schwäche und „Hinterteppenweg der aller - untertänigsten Verhandlungen" bezeichnen. Aber ist uns mit solchen Schlagworten geholfen, oder glaubt Herr Dr. Brutzkus ernsthaft, daß nicht jeder Zionist lieber ein rein jüdisches Palästina gewünscht hätte, als ein binationales? Palästina wird immer