Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrheit aus Erez Israel 55 9 Prozent der Gesamtbevölkerung hatte (55 000 unter 650 000), das heißt weniger als in Polen (12 Prozent der Gesamtbevölkerung), und diese Juden besaßen noch nicht ein Prozent des Landes! Dies ist weder die Schuld der Engländer noch der heutigen Zionistischen Exekutive, sondern viel eher die Kurzsichtigkeit jener „Großväter" des Revisionismus, Nordau und Marmorek, die jede praktische zionistische Arbeit in Palästina verhindert haben und nicht müde wurden in ihrem Kampfe gegen die ICA. und den Baron. Heute wissen wir, daß ohne den „praktischen Zionismus" dieser „Nichtzionisten" wir noch weniger politische Rechte, wie wir sie jetzt in Palästina haben, besitzen würden. Man denke z. B. nur an die Bedeutung der kleinen rothschildschen Kolonie Metullah für die Regulierung der palästinensischen Grenzen! Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, kann man nur sagen, daß die englische Regierung und ihr Vertreter, Sir Herbert Samuel, ihre Pflichten gegenüber der Schaffung — und darauf hat der Ton zu liegen — eines jüdischen Nationalheimes durchaus loyal erfüllt haben. Es ist also völlig ungerechtfertigt, wie Dr. Brutzkus zu sagen, daß die Richtlinien der englischen Politiker „selbstverständlich" den Tod der zionistischen Bewegung voraussetzten. Wenn man das wollte, dann brauchte man hebräisch nicht als gleichberechtigte, offizielle Landessprache anzuerkennen, eine Tatsache, die auch den langjährigen Palästinenser, wenn er auf öffentlichen Institutionen wie Post, Eisenbahn, Gericht oder Regierung zu tun hat, immer wieder freudig überrascht. Wenn man „Tod" will, dann läßt man nicht in einem Jahr 40 000 Juden einwandern, das heißt mehr als wir selbst verdauen können, und gewährt dann hinterher, um das Unglück wieder gut zu machen, Tel Aviv eine Anleihe von 50 000 Pfund. Was bedeutet es also, wenn Dr. Brutzkus schreibt, wir hätten im Weißbuch „sogar auf das Recht der freien Uebersiedlung (Immigration) verzichtet?" Und wer hat damals mit unterschrieben, ohne, wie man es immer von anderen verlangt, damals gleich die parlamentarischen Konsequenzen zu ziehen: Wladimir Jabotinsky. Wenn es in der politischen Richtlinie von Samuel gelegen hätte, das „Mandat faktisch zu annullieren", dann hätte er den Juden, die damals vielleicht 12 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten, nicht ein Drittel der Plätze im Advisory Council eingeräumt, und dasselbe Zahlen Verhältnis für die Zusammenset zung der Polizei festgesetzt. Wer sich einmal das Vergnügen macht, auf den Exerzierplatz der Polizeischule in Jerusalem zu gehen, und dort sieht, wie eine sehr große Zahl von jüdischen Rekruten durch jüdische Unteroffiziere und Offiziere in hebräischer Sprache „gedrillt" wird, der wird beginnen, «an der Berechtigung der immer wieder von revisionistischer Seite erhobenen Forderung nach einer eigenen jüdischen Legion zu zweifeln. Es gibt sicher kein Land im nahen Orient, wo die öffentliche Sicherheit größer ist als in Palästina, weit besser jedenfalls