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Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 54)
Language
German
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54 Wahrheit aus Erez Israel Forderungen an die englische Regierung, die gar nicht zu erfüllen sind, so z. B. die Ueberweisung der sagenhaften Regierungsböden, die es gar nicht gibt — erst in seiner vorhin schon erwähnten Bostoner Rede hat Weizmann, durch Sachkenner unterrichtet, diese Forderung zurückgezogen —, worum geht nun eigentlich der Kampf? Jabotinsky hat es uns in seinen Reden, die er während seines jüngsten Aufenthalts in Palästina hielt, verraten: nicht gegen England, nicht gegen das Land, das zu arm ist, nicht gegen das jüdische Volk, das versagt hat, nicht gegen die Araber, sie sind alle „allright" — plötzlich — sondern nur gegen die „Kabarnettim", gegen die zionistischen Führer. Bei diesem Kampf bedient sich der Revisionismus vor allem eines Mittels: der Phrase. Mit einer Siegesgewißheii, die durch Sachkenntnis nur wenig gestört wird, stellt er Behauptungen auf, die zwar den Tatsachen meist nicht entsprechen, aber geeignet sind, das Herz des zionistischen Ortsgruppenmitgliedes mit finsterem Schrecken zu erfüllen, wie „Bürger zweiter Klasse", „arabische Administration", „arabisch-türkisches Gericht", und — schrecklicher Gedanke — „anti semitische Araber". Wie alle rechten Demagogen rechnen aber auch die revisionistischen Führer mit der Unwissenheit und Vergeßlichkeit des Demos. Denn wie wäre sonst anders der Frontwechsel ihres Chefs zu erklären, der plötzlich die vorher in den schwärzesten Farben geschilderten Feinde Israels und des Zionismus für „allright" erklärte, um die ganze Verantwortung für die Nichterfüllung des Mandatsversprechens seitens der Engländer und für den „Antisemitismus" der Araber auf e i n schuldiges Haupt lenken zu können: die zionistische Exekutive. Es ist ein Kampf um die Macht im Zionismus, der sich hier enthüllt und der mit den gröbsten Waffen geführt wird: von der schamlosesten Beleidigung des Präsidenten der Bewegung und damit der Bewegung selbst, siehe den Artikel von Alexander Levy in der Weltbühne, bis hinunter zu irreführender Wiedergabe von Tatsachen. Damit aber wollen wTir uns jetzt befassen. Herr Dr. Brutzkus erzählt uns von zwei Auffassungen, die über die Gestaltung Palästinas bestanden; die oppositionellen russischen Zionisten hätten das „armenische Heim" vor Augen gehabt, die englische Regierung dagegen die Schaffung eines „arabischen Königreiches in der Art des indischen" mit Palästina als „integralen Teil des künftigen großen und födalen Arabiens." Solche Vergleiche hinken immer, denn für Palästina gibt es eben kein Vorbild. In Armenien sitzen Armenier und in Indien Inder: Land, Sprache, Volk sind gegebene Größen. Auch der viel näherliegende Vergleich mit der „Repatriierung" der aus der Türkei ausgewiesenen Griechen, die mit Hilfe des Völkerbundes vor sich geht, ist nicht stichhaltig: diese Griechen kommen nämlich in das unabhängige Griechenland, die Juden aber nicht in den Judenstaat, sondern nach Palästina, das zur Zeit, als die Engländer das Mandat übernahmen, eine jüdische Bevölkerung von

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