Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Wahrheit aus Erez Israel verpflichtet wissen, sondern auch einigen Menschen. Denn diese ßundesbrüder mögen nicht vergessen, daß das Beispiel viel tut, und die Nachfolgenden ihre Persönlichkeit in ähnlicher Weise abgrenzen werden. Die Erziehung zum politischen Menschen setzt die Erziehung zu dem in unserer Gemeinschaft eingeordneten Menschen voraus. Wahrheit aus Erez Israel. Zu dem Artikel „Was ist Revisionismus?" von Dr. J. Brutzkus. Von Fritz Simon, Jerusalem (Ruder V. J.St. A.H.). Es ist sehr zu begrüßen, daß das Präsidium den Rahmen des J.Sl. durch Beiträge erweitert, in denen von Männern, die außerhalb unseres Kartells stehen, Anschauungen vertreten werden, die eine Diskussion anzuregen und fruchtbar zu gestalten imstande sind. In diesem Sinne muß auch der Artikel von Herrn Dr. Brutzkus „Was ist Revisionismus?" (J.St. November 1926) gewertet werden. Für jemand, der einige Zeit in Palästina lebt und den Aul bau des Landes und seine Probleme verfolgt (was nicht immer zusammenzufallen braucht, denn dazu gehört eine gewisse Einstellung und die Beherrschung des Hebräischen, beides Dinge, die gerade unseren „Deutschen" und speziell unseren Bundesbrüdern in vielen Fällen oft fehlen), für denjenigen also, der auch in Palästina nicht aufhört, denkender Zionist zu sein, werden die Dinge, die Dr. Brutzkus vorbringt, etwas wundersam klingen. Man fühlt sich bei der Lektüre seines Artikels versucht, die Worte Weizmanns auf der letzten Konferenz in Boston, daß man in Berlin und Paris nicht Palästinapolitik machen könne, auch auf ihn bezogen zu denken. Ich weiß nicht, ob Dr. Brutzkus schon in Palästina war, und wenn ja, dann hat er es mit denselben touristisch-oberflächlichen Augen gesehen, denen wir die zahlreichen Palästinabücher zu verdanken haben, die in der letzten Zeit den Büchermarkt überschwemmten.1) Je länger man in Palästina lebt, umso mehr wird der Blick für die Realitäten unseres zionistischen Lebens geschärft und umso mehr lernt man verstehen, daß Politik — und gerade die beste — die Kunst des Möglichen ist. Revisionismus scheint mir dagegen — und der Brutzkus'sche Artikel ist nur allzu geeignet, mich in dieser Anschauung zu be- *) Ausdrücklich möchte ich übrigens hier das gerade von dein Revisionisten Wolfgang von Weisl verfaßte Buch „Der Kampf um das Heilige Land" (Berlin 1925) ausnehmen. Es hat schon allein den unschätzbaren Vorteil, nicht von einem Touristen, sondern von einem -.Palästinenser" geschrieben zu sein und Erez Israel unter dem Gesichtspunkt der ganzen Frage des nahen Orients zu betrachten. Es sei für Palästinakurse besonders empfohlen.