Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Aufgaben des Alten Herren gegenüber dem aktiven Kartell 51 daran, daß die Konvente und Kartelltas?e nicht mehr Beisoiele eines politischen Formungsprozesses sind, daß die Erstchanrierten nicht Exponenten desselben darstellen. Auch auf diesem Gebiete dürfte es e i n wesentliches Erziehungsmittel geben wie auf allen anderen, das des persönlichen Beispiels, und deshalb glaube ich, selbst da, wo eine Politik getrieben wird, die man als falsch bezeichnen kann, wäre ein Aufmerken auf die politische Tätigkeit der Alten Herren ein wichtigeres politisches Erziehungsmittel als das Studium von Parteiprogrammen. (Wodurch natürlich nicht gesagt ist, daß dies überflüssig sei.) Deshalb ist gerade diese Fehlerquelle zu beseitigen; das Fehlen jeden Konnexes des Kariells mit den im politischen Leben stehenden Alten Herren. Wenn ich mir überlege, worin der Reiz und die Stärke des Königsberger V.J.St. bestand, so war es die Gemeinschaft der Aelteren mit den Jungen, wobei die Aelteren im Ansturm der neuen Meinungen ebenso eine Förderung fanden wie die Jungen in der Nutzbarmachung einer überlegenen Erfahrung und Weite des Blickes gerade in politischen Dingen. Wenn hierbei auch das besondere (ilück einer so außergewöhnlichen Persönlichkeit, wie Pelz es war, einen entscheidenden erzieherischen Einfluß ausübte, so kann trotz dieser Unersetzlichkeit die Einflußnahme des politisch tätigen Bundesbruders auf die Jüngeren immer nur von Vorteil sein. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß lediglich an diesem Mangel der Blau-Weiß zu Grunde gegangen ist. Weil nämlich einerseits die politischen Konzeptionen der sogenannten „Führer" kein kritisches Forum fanden (jeder Kritiker war eo ipso ein nicht dazugehöriger Stänker) und andererseits die politische Erziehung auch der anderen gänzlich lahmgelegt war, weil nur ein bedingungsloses Nachlaufen als moralisch zulässig angesehen wurde. So verlor der Führer seine Selbstkritik, und der Geführte kam nie zu einer selbständigen Kritik und zu verantwortlicher Entscheidung. Es gibt Ansätze in unserem heutigen K.J.V.leben, die dieselbe Entwicklung aufweisen. Diese Situation kann für unsern Kreis fruchtbar nur überwunden werden dadurch, daß die Bundesbrüder bei aller Kritik Ueberlegenheiten anzuerkennen lernen und durch Steigerung ihrer Kritik gegenüber sich selbst und gegenüber den einzelnen zur Debatte stehenden Fragen und Thesen eine Zusammenarbeit ermöglichen. Nur so wird eine echte Gleichheit, die mit Distanziosigkeit nicht zu verwechseln ist, eine demokratische Grundlage des Kartells schaffen. Das Korrelat einer lebensfähigen Demokratie ist die Anerkennung überlegener Menschen, und ich glaube, es ist eine geringere Gefahr, die die Aktivitas und die eine Verbindung führenden älteren Bimdesbrüder liefen, wenn sie bisweilen einen im politischen Leben stehenden Alten Herrn überschätzten, als wenn sie nach großem Blau-Weiß-Muster in ihrer eigenen Hierarchie das Ganze sehen. Es dürfte nichts schaden, wenn sich bisweilen zeigte, daß unsere „führenden" Bimdesbrüder nicht nur unserer Sache sich