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Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
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£0 Die Aufgaben des Alten Herren gegenüber dem aktiven Kartell haben, ist allein schon eine politische Aufgabe. Deshalb ist es ganz falsch zu sagen, nur im Osten beständen politische Ziele. Dort, wo eine lebendigere, selbstbewußte jüdische Minorität besteht, mag die Schaffung des Bewußtseins hiervon selbst keine politische Aufgabe mehr sein. Vielmehr kann von dieser selbstverständlichen politischen Basis ausgehend eine palästinozentrische Richtungsgebung und eine Verstärkung der Minoritätsrechte nach der politischen und kulturellen Seite versucht werden. Es zeigt aber einen Mangel an politischem Blick, wenn nicht erkannt wird, daß es eine nicht minder politische Aufgabe ist, da wo die Existenz einer Minorität noch nicht allgemein verständlich geworden ist, diese Minorität zum politischen Entstehen zu bringen, indem aus den bisherigen Atomen ein politischer Körper zu schaffen versucht wird. Voraussetzung hierfür ist, daß die Z.V.f.D. zunächst solch ein politischer Körper wird, und es mag hier betont werden, daß es ein Verdienst des K.J.V., besonders von Kurt Blumenfeld ist, daß sie auf diesem Wege einen wesentlichen Schritt vorwärts gekommen ist. Doch wo bleibt heute das K.J.V.? Es war schon dahin unterwegs, auch in politischer Beziehung etwas zu bedeuten, nämlich e i n m a 1 als Arena eines politischen Meinungskampfes, bei dem die Einzelnen lediglich auf Grund ihrer Gedanken und ihrer menschlichen Ueberlegenheit, nicht aber durch taktische Schaffung von Klüngelschaften im Kampf sich durchzusetzen vermochten, und zum z w e i t e n als eine Schule für politisches Führertum, bei dem der Führer zeitig Gelegenheit fand, seine eigenen Grenzen abzustecken und zu erweitern, und ständig in der Kontrolle eines kritischen und offenen Kreises dazu erzogen wurde, seine Selbstkritik bei der Erforschung der Sachverhalte und seines eigenen Vermögens nicht zu verlieren. Die politische Bedeutung des K.J.V. bestand also in der Mitwirkung der politischen Meinungsbildung und Stellung von Führern für die Z.V.f.D., nicht aber in seinem politischen Gewicht, den das K.J. V. als solches in seiner Stellungnahme haben konnte. (Dieses übrigens auch heute nicht, weil nirgends in politischen Gremien das K.J.V. als solches eine Stellung hat, sondern lediglich einzelne Bundesbrüder als Mitglieder ihrer Ortsgruppen usw.) Was das K.J.V. auch heute sein kann, ist diese Schule für den politischen Menschen, und zwar wird diese Politik nicht zu lernen sein durch Aufspeichern historischer, soziologischer oder sonstiger Kenntnisse, sondern vielmehr durch das Begreifenlernen einer politischen Situation, d. h. der dabei wirkenden Kraftquellen, so dann durch den Mut zur Entscheidung in einer solchen Situation, und schließlich durch das Lernen eingeordneten Sicheinsetzens für die aus der Entscheidung sich ergebenden Konsequenzen. Selbstverständlich sind zum Sehen einer Situation historische und soziologische Kenntnisse erforderlich. Aber es ist unrichtig, wenn man glaubt, daß aus deren Mangel heute keine Politik gemacht wird. Der Mangel liegt vielmehr

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