Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537790-3537791--6595-3544621
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Aufgaben des Alten Herren gegenüber dem aktiven Kartell 49 Darunter wird verstanden, es solle bei allen Wahlen im Kartell nach dem politischen Glaubensbekenntnis der Kandidaten gefragt werden und ihre Wahl davon abhängig sein, daß ihr politisches Credo sich mit dem der betreffenden Mehrheit deckt. Dadurch wird gerade herbeigeführt, was angeblich verhindert werden soll, daß außerhalb des Kartells gegebene Parteiunterschiede auch innerhalb desselben maßgeblich werden und daß das Kartell parteipolitisch festgelegt wird. Diese Festlegung kann wirksamer gar nicht erfolgen als wenn der Kartelltag ein Präsidium aus Stammzionisten oder Hapoel hazairleuten wählt, nur deshalb, weil sie der einen oder anderen Richtung angehören. Nein, die Meinungsdifferenzen sollen sich auf Grund von innerhalb des Kartells geführten sachlichen politischen Debatten über grundsätzliche zionistische Fragen ergeben und brauchen nicht mit den Parteidifferenzierungen im Zionismus schematisch zusammenzufallen. Es wird natürlich nicht abgestimmt werden, Hapoel hazair oder Stamzionismus oder Revisionismus, das wäre sehr wenig fruchtbar, sondern es werden zu den zur Debatte stehenden Fragen eingehende Resolutionen oder Anträge gestellt werden, zu denen der Kartelltag oder Konvent sich durch seine Abstimmung zu äußern haben wird. Die von den Gegnern einer Politisierung befürchte ten Gefahren vermag ich nicht zu erkennen. Die Stellungnahme des Kartells entscheidet ja keine Frage unmittelbar, da die Ent Scheidung dem Delegiertentag oder dem Kongreß obliegt und hierzu der einzelne K.J.V.er in seiner Ortsgruppe frei wählt, ungehemmt durch das Votum des Kartelltages. Wird dasselbe aber an sich für verfehlt gehalten, so würde nur die Opposition mit dem Ziel auf den Plan gerufen werden, seine Abänderung herbeizuführen, und das würde politischen Kampf und politische Auseinandersetzung bedeuten, die nur zu begrüßen wären. Schon die theoretische Debatte über die Politisierung hat diese erfreuliche Folge gehabt, noch mehr ist sie aber von den Debatten über konkrete politische Fragen zu erwarten. Die Aufgaben des Alten Herren gegenüber dem aktiven Kartell Von Sigmar Ginsburg, V.J.St. Maccabaea Königsberg. Das K.J.V. ebenso wie die Z.V.f.D. hat als Gruppe von Menschen ein politisches Ziel (rein formal gesehen) bereits darin, sich zu erhalten und seine Existenz zu erweitern. Diese Erhaltung und Schaffung einer politischen Gestalt, d. h. einer Gruppe von Menschen mit einem einheitlichen Wollen im Gegensatz zu einem ungestalteten Vereine, bei dem nur die Einzelnen Meinungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.