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Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 48)
Language
German
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48 Zur Politisierung des Kartells Ist die politische Erziehung der Bundesbrüder überhaupt noch ein Ziel des Kartells, und das wird ernstlich wohl kaum bestritten, so müssen auch Konsequenzen daraus gezogen werden, muß auch gefragt werden, wie diese Erziehung zu bewirken ist. Jeder, der eine Vorstellung davon hat, wird von vornherein zugeben müssen, eine Uebermittelung von Kenntnissen, und sei sie noch so intensiv und umfassend, ist hierfür nicht hinreichend. Es ist mit der Politik wie mit der Psychologie. Wissenschaft und Kunst liegen hier, so viele Wege auch hinüber und herüber führen, auf verschiedenen Ebenen. Man kann alle Bücher über Psychologie ausgeschöpft haben und braucht doch nicht einmal die Menschen seiner nächsten Umgebung richtig sehen und behandeln zu können, man mag noch so gründlich die politischen Verhältnisse aller Völker und Staaten in Vergangenheit und Gegenwart studiert haben, und kann doch vor der einfachsten politischen Entscheidung restlos versagen. Die wissensmäßige Ausbildung, so unerläßlich sie ist, muß ihre Ergänzung in einer den Willen bildenden, die Entschlußfähigkeit schulenden Erziehung finden. Heute wie in aller Vergangenheit — und bei allen sonstigen, politische Erziehungsarbeit leistenden Organisationen — (Gewerkschaften, Studentischen Verbindungen, englischen Gollegs) ist es nicht anders, — stehen uns als Mittel hierfür zur Verfügung: die mit dem Ziel einer Beschlußfassung geführte politische Debatte auf Konventen und Karteiltagen, die Betrauung mit verantwortlichen Aemtern und das Beispiel politischer Führer. Die politische Debatte ist nur dann ein taugliches Mittel, wenn sie nicht lediglich theoretischen Charakter trägt, sondern Beschlüsse herbeiführt, die auf den Einzelnen zurückwirken, für die er sich darum auch verantwortlich fühlen muß. Die von uns in Aemter und Vertretungen Berufenen aber sollen sich nicht nur als Ausführende solcher Beschlüsse, sondern in stärkerem Maße wieder als selbständig Handelnde empfinden, die der Gesamtheit für ihr Tun und Lassen verantwortlich sind. Da die Verhältnisse uns weitgehend isoliert haben, indem sie uns völlig aus der Deutschen Studentenschaft gelöst und kaum weniger radikal von jeder Berührung mit den nichtzionistischen jüdischen Studentenorganisationen entfernt haben, bringt das tägliche Leben unserer Verbindungen als solches kaum mehr wie früher die Möglichkeit politischer Auseinandersetzungen. Wir müssen deshalb in immer stärkerem Maße die innerzionistischen Probleme als Stoff zur Meinungsbildung und als Gegenstand der Stellungnahme benutzen. Selbstverständlich erscheint mir, daß auf unseren Konventen und Kartelltagen nicht zu Personen- und technischen Einzelfragen, sondern nur zu Problemen von grundsätzlicher Bedeutung Stellung genommen werden soll. Für völlig abwegigerachte ich den Vorschlag, zu dem Hilfsmittel einer Parlamentarisierung des Kartells zu greifen, um die politische Auseinandersetzung nur bei Erörterung interner Kartellangelegenheiten stattfinden zu lassen.

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