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Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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44 Organisation, die sich in diese Tatsachenreihe einzugliedern ge denkt, ist nichts als ein politischer Zweckverband, bei dem oberstes Ziel nicht „Bildung", sondern der reale Erfolg, oberstes Gesetz die Zweckmäßigkeit sein wird. Vor dieser Alternative hat sich das Kartei zu entscheiden. Will es eine Erziehungsorganisation bleiben, so kann Politisierung — bei den augenblicklich gegebenen Verhältnissen — nur bedeuten: Erziehung zum politischen Handeln, nicht aber Einfügung unseres Rundes in irgendwelche politischen Systeme oder Kombinationen oder Festlegung des Kartells auf Programme, die mit solchen Systemen oder Kombinationen verbunden sind. Ist also eine politische Neuorientierung des Kartells — und eben das würde die Aufgabe unserer Neutralität nach außen bedeuten — aus politischen Gründen, d. h. aus Gründen der tatsächlichen Voraussetzungen abzulehnen, so bleibt schließlich ein letztes Argument der Politisierungsanhänger zu prüfen, nach welchem diese Neuorientierung gerade aus pädagogischen Gründen gefordert wird. Eben die Erziehung zum politisch handelnden Menschen, so sagt man, ist nicht möglich, wenn den zu Erziehenden nicht konkrete politische Ziele gesetzt werden. Und von einem Eingreifen des Kartells in die zionistische Innenpolitik verspricht man sich in hohem Maße eine Auslösung politischer Energien auch im Innern des Kartells. Diese AuiTasung deckt sich mit der imsrigen in der Grundanschauung von der Unmöglichkeit der Erziehung zum politischen Menschen more docendi. Das englische Volk ist zu seiner eminenten politischen Reife nicht durch Vorlesungen über Politik, sondern durch jahrhundertelange ü b u n g im politischen Handeln gelangt. Gerade aber das englische Beispiel zeigt auch, daß die Erziehung more agendi eine bestimmte Linie der Entwicklung einzuhalten pflegt. Die großen englischen Erfolge, ebenso wie seinerzeit die der Römer, stellten sich erst ein, nachdem im l n n e r n des Staates eine gewisse politische Tradition sich entwickelt hatte. Außenpolitik ist mit Aussicht auf Erfolg nur möglich unter der Voraussetzung der vorangegangenen Schulung in der Innenpolitik. Die V e r w a 11 u n g s p r a x i s ist wie in Rom so in England der Nährboden gewesen für eine aktive Außenpolitik. Mir scheint, daß es nicht unrühmlich ist, von diesen Beispielen zu lernen. Eine aktive Außenpolitik des Kartells ohne vorangegangene Schulung auf dem Gebiet der inneren Verwaltung scheint mir weder dem politischen noch dem pädagogischen Ziel gerecht zu werden. Es ist zuzugeben, daß eine vorläufige Begrenzung auf die Innenpolitik dem Kartell nur eine begrenzte Aktivität eröffnet. Aber ich bin der Meinung, daß diese begrenzte Aktivität, die auf der Realität des Kartells fußt, also von gesicherten Voraussetzungen ausgeht, mehr für die politische Erziehung zu leisten vermag als eine unbegrenzte Aktivität, die vielleicht in v'er Theorie ideal erscheint, in Wirklichkeit aber der gegebenen

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