Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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41 festgelegter Begriff, der nicht beliebig hin- und hergezerrt wer den, nicht zu diesem oder jenem beliebigen Gebrauch beliebig zu gestutzt werden kann. Es hat keinen Sinn, um Worte zu streiten, sondern es ist notwendig, die Begriffe, mit denen wir operieren, so anzuwenden, wie sie nun einmal von der Autorität des Lebens um uns her geprägt worden sind. Das ist, wie mir scheint, der Anfang alles politischen Verstehens, d e r Punkt, an dem wir Subjektivste von allen unter allen Umständen uns zu fügen, umzulernen haben, der Anfang aller unserer politischen Weisheit. Was heißt also Politisierung? Es heißt: in Anspruchnahme einer bestehenden Organisation für eine bestimmte politische Richtung, für eine politische Partei. Denn wenn auch das Merkmal der bestimmten politischen Linie zunächst nicht in der Absicht derjenigen zu liegen braucht, von denen die Politisierung ausgeht, so entspricht es doch dem regelmäßigen Verlauf der Tatsachen, daß, wenn einmal eine Organisation politischen Zwekken überhaupt dienstbar gemacht wird, eben eine ganz bestimmte, nämlich die stärkste Richtung den Ausschlag gibt und sich die zu politisierende Organisation unterwirft. Und ich stehe nicht an zu behaupten, daß, falls tatsächlich innerhalb des Kartells bereits die politische Differenzierung einen entsprechend hohen Grad erreicht hätte, daß dann die Politisierung des Kartells eine notwendige und unausweichliche Folge sein würde. Oder vielmehr: es wäre dann für den Begriff „Politisierung'" überhaupt kein Raum mehr, da dieser eben voraussetzt, daß der politische Zweck in eine bis dahin nicht politische Organisation hineingetragen wird. Soll also der Begriff „Politisierung" nicht jeden Sinn verlieren, so ist — und das nehmen ja offenbar auch die Politisierungsanhänger der Wirklichkeit entsprechend an — davon auszugehen, daß in der gegenwärtigen Situation eine solche politische Differenzierung etwa nach den Schlagworten „Revisionismus" oder „Sozialismus" oder „Kommunismus" oder „Bourgeoisie" oder „Orthodoxie" in keiner Weise vorhanden ist. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, es gibt aber keine Gruppierungen, die im parlamentarischen Sinne als Träger eines in bestimmter Weise qualifizierten Machtwillens anzusehen sind, das heißt: es gibt keine politischen Gruppierungen. Und hier beginnt die ganze Frage in ihr akutes Stadium zu treten, hier liegt der Punkt, wo sich die Geister reinlich zu scheiden haben. Denn wenn nun von seilen der Politisierungsanhänger argumentiert wird: dann wollen wir eben die politischen Gruppierungen schaffen, so muß ihnen entgegengehalten werden, daß sie damit den Boden verlassen, auf dem eine gesunde, natürliche und produktive Arbeit des Kartells in Deutschland möglich ist. Es geht das hervor aus der grundsätzlichen Verschiedenheit zwischen dem Begriff Politik alspolitischerldee und dem Begriff Politik als p o 1 i t i s c h e r Kunst. Es gibt Völker,