Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Kartelltag 35 Ferner aber bedeutet Politisierung, daß der Erzieher, der Führer nur dann wirkliche Führerqualitäten haben kann, wenn er zu den Fragen des zionistischen Lebens so Stellung genommen hat, wie es heute nur möglich und notwendig ist, nämlich auf Grund einer bestimmten politischen Haltung. Politisierung bedeutet in diesem Zusammenhang also nur die Sanktionierung eines an sich selbstverständlichen Zustandes, nämlich daß heute weder ein Einzelner noch ein führender Kreis im Kartell sich betätigen kann ohne den Versuch machen zu müssen, seine politische Meinung durchzusetzen. Alle Vorwürfe gegen die Politisierung gehen am Wesentlichen vorbei: Kein Mensch will die Majorisierung einer Minorität, niemand will die Festlegung des Kartells auf eine bestimmte politische Richtung, niemand will ein Eingreifen des Karteiis in das politische Geschehen der zionistischen Welt. Zum Kartelltag. Von Hubert P o 11 a c k , Sport-V.J.St. Berlin. Der VII. Kartelltag wird, gleichviel mit welchen Ergebnissen er endigt, für die Entwicklung des K.J.V. von entscheidender Be deutung sein. Denn er fällt in einen Augenblick zionistischer Krise und Selbstbesinnung. Seit der Londoner Jahreskonferenz hat der Zionismus praktisch und theoretisch, als Organisation und als Ideologie, experi mentiert. Wir Juden taten damit nichts anderes als andere Völker Europas und Asiens auch, die in diesen Jahren einer ruckweisen revolutionären Entwicklung sich tastend um neue Daseinsformen, um neue Sinngebungen mühten. — Die Revolutionen sind vorüber. Die politische und die geistige Weltsituation ist relativ beruhigt. Die Völker bescheiden sich bei dem Errungenen und bemühen sich, ihren Besitz zu festigen. Damit ist die zionistische Lage gründlich verändert. Solange alles Chaos war, konnte auch der Zionismus sich es leisten, Chaos zu sein. Nachdem die Welt ringsum sich zu ordnen begonnen hat, nachdem eine ganz veränderte politische Interessenkonstellation im Near East entstanden, nachdem der Weizmannsche Jewish Agency-Plan gescheitert ist und mit ihm die Hoffnung auf die jüdische Weltfinanz, steht die zionistische Bewegung heute in einer Krise, die weit mehr ist als eine akute Krise der palästinensischen Wirtschaft. Sie steht an dem historischen Punkt, an dem sich die Not nicht mehr vertagen, die Entscheidung nicht länger verschleppen läßt. Der XV. Kongreß wird die sieben Jahre des Experimentes, der Improvisationen beendigen müssen, wenn er es ernst meint mit dem Aufbau Erez Israels.