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Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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34 Die zukönftige Gestaltung des KJ.V. die resignierenden Vorstellungen bekämpfen, die für das zionistische Leben in der Galuth keinen Inhalt und keine Möglichkeit der Bewährung sehen. Gerade wenn man sich der Schwierigkeiten auf Grund einer Analyse der heutigen Situation bewußt ist, die uns hier entgegenstehen, dann wird es ein Ziel sein, dieser Schwierigkeiten Herr zu werden und durch den Kampf mit den Niveaulosigkeiten und Hemmungen des Alltags zu jener Steigerung seines Lebensgefühles zu kommen, die nötig ist, um auch im Alltag einer Idee treu zu bleiben, die den Anspruch erheben muß, unserem Leben Sinn und Richtung zu geben. Wir werden hier selbstverständlich auch alle Bemühungen wieder aufzunehmen haben, die darum gingen, das Leben des Zionisten in der Galuth auch inhaltlich bestimmt sein zu lassen. Die Forderung nach Hebräisierung wird immer von neuem aufzunehmen sein. In all diesen Bezirken kommt es ja gar nicht einmal so sehr darauf an, daß wir sofort zu eindeutigen, allgemein gültigen, allen zugänglichen Ergebnissen kommen, sondern wichtig ist zunächst nur, daß man sich mit diesen Problemen wieder auseinandersetzt und um ihre Lösung ringt. Alle diese Vorstellungen bedeuten in der großen Linie unserer Arbeit im Kartell nichts Neues. Trotzdem erscheint mir heute ihre Erörterung nötig zu sein, um durch eine klare Formulierung unseres Erziehungsziels dem Leben des Kartells eine ganz bestimmte, mit Energie verfolgte Richtung zu geben. Ein Wort noch zur Frage der „Politisierung". Bei den vielen Diskussionen über diese Frage, denen ich beiwohnen konnte, hatte ich immer wieder den Eindruck, daß hier eine gute Sache durch eine vielleicht etwas ungeschickte, weil vieldeutige Formulierung in Mißkredit gerät, eine falsche Beurteilung erfährt. „Politisierung" heißt doch nichts anderes, als daß bei dem heutigen Stand der zionistischen Entwicklung die alte Formel von der Erziehung zum Staatsbürger, d. h. zum bewußten Eingliedern in die Gemeinschaft und zum Unterordnen der eigenen Interessen unter die der Gemeinschaft nicht mehr ausreicht. Die Normalisierung des palästinensischen Lebens hat zu einer weitgehenden politischen Differenzierung in der zionistischen Welt überhaupt geführt, so daß man heute nur dann das zionistische Geschehen verfolgen kann, wenn man mit politischen Kategorien an die Beurteilung unserer Fragen herangeht. Vor allem ist ein Eingreifen in den Ablauf des zionistischen Geschehens nur möglich nach politischen Gesichtspunkten und für den zu politischer Entscheidung Fähigen. So bedeutet Politisierung für uns zweierlei: Erstens einmal ist eine zionistische Entscheidung nur möglich für denjenigen, der zu politischem Denken erzogen ist. Wir müssen also unsere Bundesbrüder zu einer auf Kenntnis der sachlichen Voraussetzungen beruhenden politischen Willensäußerung reif machen.

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