Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537790-3537791--6577-3544603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
__Die zukünftige Gestaltung des K.).V._Hl Lebensrichtung noch bestimmbar ist, trat damals stärker in die Erscheinung, als es der Wirklichkeit unserer Struktur entspricht. Wir können nie darauf verzichten, dem Leben der von uns erfaßten jungen Menschen eine Richtung zu geben, die den zionistischen Notwendigkeiten gerecht wird. Letzte Bewährung wird dem K.J.V. darum immer erst dann zuerkannt werden, wenn es dem Aufbau Kräfte zum Einsatz am Ort der Verwirklichung zuführt. Eine klare Erkenntnis unserer wahren Lage mußte auf der anderen Seite aber sehr bald zu der Einsicht führen, daß Chalu ziuth nicht das alieinige Kriterium unserer Erziehungsarbeit sein kann. Die jungen Menschen, die wir den gestaltenden Kräften unserer Erziehung zuführen können, kommen doch, nach der ganzen Anlage unseres Bundes, erst in einem bestimmten Alter zu uns und haben bereits meistens eine feste Berufsentscheidung getroffen. Wir müssen damit rechnen, daß es nur bei Wenigen gelingen wird, sie durch die Einordnungen unserer Erziehung zu Chaliziuth zu bringen. Die nächste Etappe war natürlich die, die zu einem akademischen Beruf Entschlossenen zu veranlassen, sich in ihrem Beruf in den Jischuw einzugliedern und sich darauf menschlich, fachlich, jüdisch (hebräisch), zielbewußt vorzubereiten. Hier machen sich die augenblicklichen Schwierigkeiten der palästinensischen Entwicklung am stärksten bemerkbar. Es ist zur Zeit sehr schwer für einen Akademiker, Existenzmöglichkeiten zu finden, aber die absolute Resignation diesen Möglichkeiten gegenüber, die heute im Kartell vorherrscht, die es nicht einmal mehr zur Erörterung dieser Fragen kommen läßt, ist unbegründet und gefährlich. Gegen diese völlige Liquidierung des Palästinawollens müssen wir uns wenden, und die Bemühungen, von einer Zentralstelle aus durch Informationen usw. die Uebersiedlung zu fördern, müssen wieder aufgenommen werden, trotzdem diese sachliche Hilfestellung nichts nützen wird, wenn es uns nicht gelingt, im Kartell wieder jene entschlossene Bereitschaft zu erzeugen, die es so viele unserer Bundesbrüder hat glücken lassen, trotz aller Schwierigkeiten sich ihren Platz im Jischuw zu erkämpfen. Es scheint mir aber auch dringend erforderlich zu sein, ein konturiertes, überseh- und durchsetzbares Erziehungsziel für diejenigen zu formulieren, die nicht nach Palästina gehen können oder wollen. Wir müssen doch der Tatsache ins Auge sehen, daß der größte Teil der heutigen Generation in der Galuth bleiben wird, für diesen gilt es zu sorgen, für diesen gilt es Mittel und Wege zu finden, um ihn auch später dem zionistischen Gedanken und der zionistischen Arbeit zu erhalten. Hierbei besteht unsere größte Schwierigkeit darin, daß wir nur zu einer sehr verschwommenen Allgemeinheit der Formu-