Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Die zukünftige Gestaltung des K.).V. Ich habe bisher aus der Fülle der Aufgaben des Kartells einige herausgegriffen, die Gemeinschaftsaufgaben, wenn man so sagen will, politische Tätigkeitsgebiete sind. Das K.J.V. kann sich heute einer solchen Betätigung, wo es als Ganzes auftritt, sein Prestige einsetzt, die Richtung seiner Arbeit von „politischen" Kategorien bestimmen läßt, nicht mehr entziehen. Neben solchen politischen Funktionen, von ihnen natürlich nicht zu trennen, hat es die einer Erziehungsgemeinschaft. Es ist müßig darüber zu streiten — wie es heute vielfach geschieht — ob das K.J.V. nur Erziehungsgemeinschaft zu sein hat, auf die Funktionen einer solchen sich beschränken müßte, oder ob es auch solche von mir angedeutete Gemeinschaftsaufgaben auf sich zu nehmen hat, die es naturgemäß zu einem politischen Faktor in der zionistischen Weit machen, und schließlich welcher der beiden Funktionen der Vorrang gebührt. Ein lebendiger Organismus wie das K.J.V. kann keiner Konsequenz, die sich aus seiner Existenz ergibt, ausweichen. Wir „sind" nur durch den Zionismus, was wir sind, und der Zionismus ist ein politisches Phänomen mit den organisatorischen Notwendigkeiten einer politischen Bewegung, mit dem Expansionsdrang, mit politischen Gegenwirkungen, mit der ganzen Fülle und Verstocktheit des politischen Lebens überhaupt. Findet sich also ein Kreis von Menschen unter den Auspizien einer Idee und einer Organisation als derem politischen Ausdruck zu einer Gemeinschaft zusammen, die allmählich einen ausgeprägten Charakter und ein bestimmtes Prestige bekommt, dann wird sie — ob sie will oder nicht — auch selbst zu einem politischen Gebilde, da die Notwendigkeit, der Idee und ihrem politischen Durch- Setzungswillen gerecht zu werden, sie zu politischer Betätigung bei vielerlei Gelegenheiten zwingt. Es schien mir nötig zu sein, diese Bemerkungen zu machen, weil die Frage der sogenannten „ Politisierung " mit dem Problem der politischen Betätigung des Kartells als Ganzem vermengt und damit eine Klärung dieser Frage, die den Kartelltag zu beschäftigen haben wird, verhindert wird. Der Begriff der „Politisierung" gehört in die Sphäre unserer Erziehungsprobleme und wird dort zu behandeln sein. Bei dem Komplex unserer Erziehungsarbeit scheint es mir nötig zu sein, sich um eine klare, eindeutige Herausarbeitung des Ziels unserer Erziehung zu bemühen. Der Dresdner Kartelltag war auch hier der Abschluß einer Entwicklung, während der man versucht hatte, meiner festen Überzeugung nach hätte versuchen müssen: Chaluziuth zu dem alleinigen Kriterium unserer Erziehung zu machen. Man mußte alles daran setzen, der palästinensischen Wirklichkeit mit ihren Möglichkeiten der Bewährung durch die Tat gerecht zu werden. Der Charakter des K.J.V. als einer Jugendbewegung, cL h. einer Zusammenfassung eines Kreises von Menschen, deren