Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537790-3537791--6574-3544600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 Die zukunftige Gestaltung des K.].V. eine Krise, die andere ablöste, das Fehlen klarer Zielsetzungen jede Stetigkeit in unserer Arbeit verhinderte. Was aber in Dresden bedeutsanier Fortschritt war, reicht heute für eine positive Wer fung nicht mehr aus. Eine Gemeinschalt wie die unsere brauch! wohl nach einer chaotischen Zeit eine Periode der Sammlung, in der die Tatsache eines von Erschütterungen freien, selbstverständlichen Existierens schon Fortschritt und Leistung bedeutet. Für einen lebendigen Organismus darf sich aber eine solche Epoche der Entspannung, der Erholung nicht allzu lange hinziehen, er muß so bald wie möglich anfangen, die wiedergewonnenen Kräfte an neuen Zielen, an neuen Aufgaben zu erproben. Eine solche Bereitschaft zu neuer Leistung ist natürlich nicht durch Proklamationen und Appelle zu erreichen, sondern hier hilft nur ziel bewußte, systematische Arbeit und die Erkenntnis der vielfachen Aufgaben, die uns gesetzt sind und die zum großen Teil keine andere Gruppe als wir lösen kann. Wir müssen mit der Tatsache rechnen, daß es heute, bis auf wenige Ausnahmen, keine Zusammenfassung zionistischer Jugend mehr gibt, die propagandistische und erzieherische Möglichkeiten hätten. Wir stehen zur Zeit diesen Fragen völlig untätig gegenüber. Ich glaube nicht, daß dies noch lange so weitergehen kann. Es ist natürlich sehr schwer, heute schon konkrete Möglichkeiten aufzuzeigen, auf welche Weise wir hier einzugreifen haben, weil ja die Erfassung und Organisierung Jugendlicher in unserer Zeit überhaupt auf große Schwierigkeiten stößt. Bei den Versuchen, diese zu überwinden, werden wir aber viel stärker als bisher mitzuarbeiten haben, wahrscheinlich werden wir sehr bald die einzige Gruppe sein, die hier mit Initiative vorangehen und die menschlichen und sachlichen Voraussetzungen für eine solche Arbeit bieten kann. Vielleicht sind wir heute noch zu schwach dazu, diese Funktionen zu erfüllen, dann müssen wir aber alles daran setzen, diese Kräfte recht bald verfügbar zu haben. Wir sahen in der letzten Zeit eine konkrete Aufgabe und versuchten, von uns alles zu tun, um sie zu lösen: die Reste des Blau-Weiß vor der völligen Atomisierung zu schützen. Wir können nur zu unserem größten Bedauern feststellen, daß die Voraussetzungen, unter denen wir an die Bewältigung dieser Aufgabe herangingen, sich als unzutreffend erwiesen haben. Es gibt — und gab wohl auch — keine Diskussion darüber, daß es unsere Pflicht war, alle Voraussetzungen zu schaffen, um einmal einen möglichst großen Teil der älteren Blau-Weißen organisierter zionistischer Arbeit zu erhalten, dann aber auch den jüngeren Elementen, insbesondere der Praktikantenschaft, den Rückhalt in einem intakten Bunde zu sichern. Zionistische Notwendigkeiten allein bestimmten das Vorgehen des Präsidiums, und meine per sönliche Meinung ist, daß sie mehr, als es geschehen ist, die Erörterungen des Kartells in dieser Frage hätten bestimmen müssen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.