Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zukünftige Gestaltung des K.J.V. 27 Rückwanderer und die Sorge um die, die im Lande geblieben sind und in schwerem Kampf um ihre Existenz ringen, naturgemäß eine Atmosphäre der Mutlosigkeit erzeugen mußte, sondern auch in allen anderen Bezirken unseres zionistischen Lebens charakterisieren Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit, vor allem weitgehende Unsicherkeit in allen Fragen der Bewegung die gegenwärtige Situ ation. In den Sphären der Wirtschaft, der Politik, der Organisation, der Ideologie, der programmatischen Zielsetzungen, der menschlichen Probleme, überall ist schwankend geworden, was schon gesichertes, die Richtung endgültig bestimmendes Ergebnis zu sein schien. In einer solchen Zeit tragen all die zionistischen Gruppen, die die menschlichen und sachlichen Voraussetzungen für die Weiterarbeit zu schallen haben, besonders schwere Verantwortung. Das K.J.V. gehört heute zu den ganz wenigen, organisatorisch und auch innerlich intakten Gemeinschaften, auf die die Bewegung sich stützen kann. Ich möchte hier nur andeuten, daß mir der deutsche Zionismus überhaupt in der Gesamtbewegung wichtigste Funktionen zu haben scheint, für deren Erfüllung wir ihn bereit und fähig machen müssen. Es ist unmöglich, sich mit denen auseinanderzusetzen, die in einer solchen Vorstellung eine durch nichts begründete Anmaßung des deutschen Zionismus sehen. Ein Blick auf die beiden großen Zentren des jüdischen Lebens der Gegenwart (Amerika und Polen) zeigt jedem Einsichtigen, welche spezifischen Möglichkeiten und Aufgaben der deutsche Zionismus als der einzige wesentliche Repräsentant westeuropäischen Judentums im gegenwärtigen Moment hat. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß es hier keinen Anspruch gibt, der sich auf bisherige Leistungen gründet, sondern daß die Erkenntnis der objektiven Gegebenheiten uns die Wege weist, die wir zu gehen haben, und uns die Verantwortung aufzeigt, die unsere Position in der zionistischen Welt uns auferlegt. Es wird sich später Gelegenheit ergeben, an Hand einiger konkreter Beispiele darzulegen, welche Konsequenzen wir für unsere Arbeit aus diesen Vorstellungen ziehen müssen. Wie immer man aber auch die Bedeutung des deutschen Zionismus beurteilen mag, das K.J.V. bestimmt heute so wesentlich seine Zukunft, daß es des Einsatzes all unserer Kräfte bedarf, um das Kartell seiner Aufgabe gerecht werden zu lassen. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit des K.J.V. für den deutschen Zionismus hat sich wohl auch heute so durchgesetzt, daß es keine Fragen nach der Existenzberechtigung des K.J.V. mehr gibt. Das Kartell bejaht sich heute mit Selbstverständlichkeit. Diese innere Stabilisierung bedeutet an sich einen großen, von uns nicht zu unterschätzenden Fortschritt gegenüber einer Epoche, die mit dem Dresdner Kartelltag abschließt, in der alle Grundlagen unseres Lebens als fragwürdig empfunden wurden,