Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Ressortberichte gestellt werden, daß nur sehr wenige Bundesbrüder einen sogenannten chaluzischen Beruf wählten und in ihrer beruflichen Entscheidung auch nur unwesentlich durch das Kartell beeinflußt wurden. Verschiedene Gründe bedingten diese Tatsache. Für die Beurteilung der Situation ist der Hinweis wichtig, daß die Frage der Chaluziuth für das Kartell besonders dringlich und brennend nicht allein durch die Bedingungen Palästinas, sondern sehr stark auch durch das Beispiel und die scheinbar außerordentlichen Erziehungsresultate des Blau-Weiß wurde. Nachdem nunmehr offenbar geworden ist, daß auch die Menschen des Blau-WeiB unter sehr großen Schwierigkeiten in Palästina zu kämpfen haben, daß auch ihr Weg trotz einer entsprechend frühzeitigeren Vorbereitung nicht gesichert ist, daß für sie schließlich doch auch dieselbe Problematik besteht wie für die K.J.V.er, war es notwendig, bei der Berufsberatung in dieser Hinsicht besondere Vorsicht walten zu lassen und nur diejenigen Menschen für einen chaluzischen Beruf zu bestimmen, die ihrer ganzen Disposition nach die Gewähr dafür bieten, daß sie ihm gewachsen sind. Es will jedoch scheinen, als ob das K.J.V. in der Frage des Berufes im Hinblick auf Palästina im ganzen allzu sehr beruhigt ist, und daß nach Beendigung der Ghaluziuth-Diskussion auch die palästinozentrische Gasinnung an Stärke eingebüßt hat. Wenn unsere Erziehung einen vollen Erfolg haben soll, so muß sie auch die Berufssphäre des einzelnen K.J.V.ers bestimmend beeinflussen. Somit hat das Ressort eine eminent erzieherische Bedeutung, die sich jedoch nur bei engster Zusammenarbeit mit dem Erziehungs- und Unterrichtsressort voll auswirken kann. Das Interesse an Palästina darf im K.J.V. kein rein theoretisches bleiben, sondern muß zu praktisch-persönlichen Konsequenzen führen. Das bedeutet, daß jeder K.J.V.er versuchen muß, und dies besonders mit seinem Beruf, objektive Notwendigkeiten Palästinas mit seinen subjektiven Bedingungen so weit wie möglich in Uebereinstimmung zu bringen. Voraussetzung hierzu ist außer einer selbstverständlich zionistischen Durchbildung, genaue Kenntnis der palästinensischen Arbeits- und Lebensbedingungen und Landes Verhältnisse. Es ist ganz unerläßlich, daß diese Kenntnisse regelmäßig durch geeignete Palästinakurse den Bundesbrüdern vermittelt werden, in diesem Zusammenhang sei auf das Expose eines Palästina-Kurses hingewiesen, das einem Referat über die Gestaltung eines solchen Kurses zugrundelag. (Heft 1/2 Februar 1926, XXIIL Jahrgang des J.St.). Bedauerlicherweise war die Reaktion auf diese Anregung äußerst matt. In Zukunft muß vom Ressort aus mit allem Nachdruck darüber gewacht werden, daß in den Verbindungen der Palästina- Unterricht den ihm gebührenden Raum einnimmt. Bei so vorgebildeten Bundesbrüdern wird eine Einwirkung auf ihre Berufswahl überhaupt erst einen Erfolg haben können. Hier wird allerdings in den seltensten Fällen eine radikale Berufsumschichtung veranlaßt werden können. Es wird vielmehr darauf ankommen, eine Umorientierung im bereits gewählten Beruf aus einer palästinozentrischen Einstellung heraus zu erreichen. Das Ressort hat versucht, Unterlagen für eine geeignete Berufsberatung zu beschaffen, und hat für die einzelnen Berufe detaillierte Fragebogen ausgearbeitet, die palästinensischen Bundesbrüdern und Freunden zur Beantwortung zugeschickt wurden. Für Mediziner liegt das Ergebnis dieser Enquete bereits vor, auszugsweise wurde es im J.St. (Juli 1926, XXIII. Jahrgang, Heft 3) veröffentlicht. Für andere Berufe liegt auch bereits Material vor, das jedoch noch genauer bearbeitet werden muß. Diese nützliche und notwendige Materialbeschaffung wird ein-