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Der jüdische Student · 1927-02-01 · Heft 1 (Februar 1927) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
24 (1927)
Issue
Heft 1 (Februar 1927)
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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18 kehren würden, hat sich nicht erfüllt. Der wirtschaftliche Existenzkampi ist immer schärfer geworden. Er warft seine Schatten schon aitf die ersten Semester des jungen Studenten und zwingt ihn, mit ganz anderer Intensität als früher sein Studium zu betreiben, um den großen Anforderungen gewachsen zu sein. Das akademische Studium ist immer mehr zu' einer Fachausbildung geworden. Auch der geistige Habitus der Studenten hat sich stark verändert. Das Interesse für Technik und Naturwissenschaften herrscht vor, die Geisteswissenschaften sind dein gegenüber in den Hintergrund getreten. Daß diese Entwicklung für uns wie natürlich für alle idealistischen Bewegungen — wenig günstig ist, liegt auf der Hand. Dazu kommt in weiten Kreisen eine Müdigkeit und Resignation als Reaktion auf die starken Erschütterungen, die die großen Umwälzungen durch den Krieg hervorgerufen hatte. Zu diesen allgemeinen Gründen kommen die schweren Rückschläge, die unsere Bewegung in den letzten zwei Jahren erlitten hat, wobei wir nicht nur an die Krise in Palästina, sondern auch an die Stagnation und den Rückgang unserer Bewegung im Galuth denken. Es erübrigt sich, an dieser Stelle ausführlich darauf einzugehen. Es ist im Laufe des letzten Jahres in der zionistischen Oeffentlichkeit wiederholt ausführlich dazu Stellung genommen worden. Es sei hier z. B. auf die Reden und Aufsätze von Blumenfeld hingewiesen, in denen er unsere Situation zu analysieren versucht hat. Diese Feststellungen sind notwendig nicht aus historischem Interesse, sondern weil nur eine richtige Diagnose uns die zweckmäßigsten Wege weisen kann. Wir müssen unter Berücksichtigung dieser schwierigen Verhältnisse ein Programm aufstellen, das uns unseren Aufgaben gewachsen macht, und um dieses Programm durchzuführen, werden wir unsere Anstrengungen verdoppeln müssen. Wenn wir die einzelnen Teile unseres Programms durchgehen, so können wir einen gewissen Fortschritt in der Hebraisierung des Kartells verzeichnen. Fast alle Verbindungen führen heute einen regelmäßigen Lehrbetrieb durch. Am besten drückt sich der Fortschritt vielleicht darin aus, daß eine Anzahl von A.H.ierungen vorgenommen wurde auf Grund eines hebräischen Examens, dem die Richtlinien des Dresdner Programms zugrunde lagen. An diesem Programm müssen wir unter allen Umständen festhalten. Die hebräische Ausbildung unserer Bundes - brüder hat nur dann Wert, wenn sie so weit kommen, daß sie wirklich die wesentlichen Teile der Bibel gelesen haben und imstande sind, die palästinensischen Zeitungen und Zeitschriften zu verfolgen. Im einzelnen wird dieses Programm selbstverständlich auf Grund der Erfahrungen der letzten zwei Jahre revidiert werden müssen. Es wird dies u. a. die Aufgabe der Vorkonferenz sein. In unseren darüber hinausgehenden Bestrebungen, die wir unter dem Namen „Judaisierun g" zusammenfaßten, sind wir allerdings über anfängliche Versuche kaum hinausgekommen. Sicherlich spielt zwar gerade hier der Mangel an Zeit infolge der großen Anforderungen durch den Beruf eine große Rolle. Aber andererseits müssen wir leider doch feststellen, daß das Interesse für diese kulturellen Fragen vielfach zu wünschen läßt. Wir halten grundsätzlich an unserem Programm fest, und es wird unsere Aufgabe sein, das Verständnis für diese Bestrebungen im Kartell zu fördern. Aber die objektiven Schwierigkeiten, mit denen wir gerade hier zu kämpfen haben, weisen uns darauf hin, hier eine Einwirkung auf die Jugendgruppen zu versuchen, wo ja die Möglich-

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