Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Ressortberichte Es sei hier einem Einwand begegnet der in Diskussionen oft geäußert wurde, daß es sehr schwer sei, heute in assimilantische Kreise hineinzukommen, weil sich viele jeder Auseinandersetzung entziehen mit der Begründung, sie hätten sich schon mit zionistischen Fragen beschäftigt und eine negative Entscheidung für sich gefällt. Es wäre verkehrt, wenn wir uns mit diesen Antworten zufrieden geben wollten, und es scheint mir in diesem Zusammenhang von Wichtigkeit, die Frage der Methodik unserer Werbearbeit im einzelnen zu besprechen. Selbstverständliche Voraussetzung ist die technisch gute Vorbereitung, wie Beschaffung der Listen der Abiturienten und Neuimmatrikulierten, die Vorbereitung von Keilveranstaltungen, auf die hier im einzelnen nicht eingegangen werden soll. Es sei jedoch ausdrücklich betont, daß wir auf das systematische Bearbeiten der Listen keineswegs verzichten dürfen, und daß es falsch wäre, nur auf Grund persönlicher Beziehungen zu werben. Dagegen ist es wichtig, zu versuchen, auf Grund des vorliegenden Materials unsere persönlichen Beziehungen ausfindig zu machen und diese auszunutzen. In diesem Zusammenhang sei auf die Bedeutung von Mitteilungen über bekannte Keilfüxe hingewiesen, insbesondere wenn sie ihren Wohnsitz wechseln. Entscheidend für eine erfolgreiche Keilarbeit ist es, daß die Leitung in jeder Verbindung in den Händen eines Bundesbruders liegt, der einerseits dauernd den Konnex mit den Bundesbrüdern, die keilen, aufrechterhalten kann, andererseits aber auch selbst imstande ist. sich an der Werbearbeit beispielgebend zu betätigen. Es ist auch nicht möglich, jedem Bundes bruder, insbesondere nicht jedem jüngeren, die selbständige Bearbeitung eines Keilfuxen zu übertragen, sondern die älteren und erfahreneren Bundesbrüder müssen sich hierfür zur Verfügung stellen. Keinesfalls darf es vorkommen, daß man jüngere mit der Werbearbeit betraut» ohne mit ihnen eingehend die wichtigsten Richtlinien besprochen zu haben. Es sollen am zweckmäßigsten am Ende und zu Beginn jeden Semesters besondere Abende hierfür eingerichtet werden. Nach unseren bisherigen Erfahrungen scheint die Veranstaltung von Zirkeln, zu denen ein kleiner Kreis von Bundesbrüdern und Keiltüxen eingeladen wird, am wirkungsvollsten zu sein. Daneben sollte zumindest in den größeren Städten etwa sechs bis acht Wochen nach Beginn der Werbearbeit eine größere Keilveranstaltung mit repräsentativer Wirkung stattfinden. Wichtig ist weiter die Ausnutzung dieser Abende in der Weise, daß man den durch sie gewonnenen Konnex mit den einzelnen Leuten aufrechterhält und sowohl einzeln mit ihnen zusammenkommt, als sie auch zu zahlreichen Veranstaltungen einladet. Unsere Aufgabe ist es: Menschen für unsere Gemeinschaft zu gewinnen, in der wir uns mit ihnen über die uns und sie bewegenden Fragen auseinandersetzen können, um mit ihnen gemeinsam den für richtig befundenen Weg zu gehen. Gemeinschaftsgeist und zionistischer Wille dürfen nicht getrennt werden, und es darf beispielsweise nicht vorkommen, wie wir kürzlich in einem Briefe lasen, daß sich Menschen an unseren Kreis gebunden fühlen, es aber ablehnen. Zionismen zu werden. Siegfried H o 1 z e r.