Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ressortberichte 15 Ressortberichte. Bericht des Werberessorts. Die Ergebnisse der Werbearbeit in den einzelnen Semestern sind bereits durch Rundschreiben und Berichte im „J. St." (Jg. 22 Nr. 4/5 und 7, Jg. 23 Nr. 3) veröffentlicht worden. Im Folgenden soll noch die Statistik für das Sommersemester 1926 angefügt werden, zu dessen Beginn ich die Leitung des Werbe-Ressorts von Bbr. Hirsch übernommen habe. Die Werbearbeit des jetzigen Wintersemesters kann noch nicht als völlig abgeschlossen gelten. Es darf aber schon jetzt hervorgehoben werden, daß die zahlenmäßigen Erfolge sehr hinter den Erwartungen zurückblieben. Es mag dies zum großen Teil an dem Rückgang der Michaelis-Abiturienten, besonders in der Provinz, liegen. Man wird in Zukunft versuchen müssen, die Hauptwerbearbeit während des Sommersemesters zu leisten, damit trotz geringerer Erfolge während des Wintersemesters die Gesamtzahl der Aufnahmen im Jahre nicht herabgesetzt wird. Aus den veröffentlichten Statistiken geht hervor, aus welchem Milieu die einzelnen Keilfüxe kommen, die bei uns aktiv geworden sind. Es ist hierbei zu bemerken, daß die Zahl der Nichtzionisten verhältnismäßig gering ist. Dies ist beachtlich und muß uns zu denken geben. Zum Teil hängt dies sicher damit zusammen, daß die Menschen, an die wir uns bei der Werbearbeit wenden, heute bereits früher durch einen zionistischen oder auch nur positiv jüdisch eingestellten Jugendbund beeinflußt sind, als das früher der Fall war. Dazu kommt, daß sich sehr viele, auch wenn sie nicht durch Jugendbünde erfaßt sind, mit den Fragen des Zionismus beschäftigt haben, noch ehe wir an sie herantreten. Endlich trägt die Tatsache der Auflösung des Blauweiß dazu bei, daß eine Reihe von jüngeren Zionisten sich zur Aufnahme ins Kartell stellen. Es soll nicht gesagt werden, daß die Gewinnung von Zionisten für uns mit irgendwelchem Nachteil verbunden ist, soweit es sich darum handelt, unsere Reihen aufzufüllen und darum, daß der Nachwuchs geschaffen wird, der imstande ist, später führende Stellungen innerhalb des Kartells und dann weiter in der zionistischen Bewegung einzunehmen. Es sei auch betont, daß das K.J.V. diese früheren Zionisten — die sich übrigens zum Teil nur so nennen — nicht nur einfach in seine Verbindungen einreihen kann, sondern daß die Erziehung, die sie zu K.J.V.ern machen soll, oft ebenso schwierig, wenn nicht schwieriger sein wird als bei Assimilanten. Es darf aber nicht verkannt werden, daß unsere Werbearbeit nicht nur darin ihren Zweck sehen darf, daß wir in jedem Semester eine genügende Anzahl von neuen K.J.V.ern bekommen, die die Grundlage für eine gedeihliche Weiterarbeit bilde tu sondern daß es für uns ebenso, wenn nicht wichtiger ist, propagandistische Arbeit zu leisten und den zionistischen Gedanken in die Reihen der Assimilanten und Nichtzionisten zu tragen. Diese Aufgabe der Werbearbeit darf keineswegs vernachlässigt werden, sie scheint mir sogar wertvoller, während die erste Forderung der Schaffung eines arbeitsfähigen Nachwuchses eine selbstverständliche, primitivere ist.