Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 24 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1927)
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Kartellarbeit 11 Bunde. Es scheint uns ein schönes und eigentlich natürliches Ziel, daß diese einzelnen Gruppen im K.J.V. den Versuch machen, möglichst viele Bundesbrüder von den von ihnen als richtig empfundenen Gedanken zu überzeugen, und diese im bundesbrüderlichen Kreise, ohne einen scheuen Blick auf die Außen - Wirkung geführte Auseinandersetzung kann nicht, wie manche in übergroßer Ängstlichkeit glauben, das Gefüge des Kartells erschüttern. Bundesbrüderlichkeit hat für uns immer bedeutet, sich jedem Mitglied unseres Bundes verbunden zu fühlen. Diese Verbundenheit kann nur dann eine sinnvolle und erfüllte sein, wenn sie sich in schwierigen Situationen bewährt. Bundesbrüderlichkeit muß für uns bedeuten: uns in strenger Selbsterziehung durch dauernde Auseinandersetzungen weiterzubilden. Nur diejenigen erfüllen die wirklichen Anforderungen des Kartells, die auch in denen, die vielleicht gedanklich anderer Ansicht sind, die Menschen sehen, die um eines gemeinsamen Zieles willen in einem uns allen lieb gewordenen und vertrauten Bunde kämpfen. Zusammenfassend: Politisierung hat niemals für uns den Sinn gehabt, unseren Bund durch parteipolitische Bindungen um seine besten Erziehungsmöglichkeiten zu bringen, Politisierung bedeutet für uns: geistigen Kampf im Kartell und um das Kartell. Hinsichtlich unserer Palästinaarbeit müssen wir auf unseren Spezialbericht verwaisen. An dieser Stelle darf nur noch einer grundsätzlichen Bemerkung Ausdruck gegeben werden: es ist nicht zu verkennen, daß — verglichen mit den Aussichten, die sich uns beim Dresdener Kartelltag boten — heute die Möglichkeiten unserer Bundesbrüder in Palästina als weit ungünstiger anzusehen sind. Wir werden die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate abzuwarten haben, da ja seltbstverständlich unsere Entscheidungen und die jedes Einzelnen von der Gestaltung der Palästinaarbeit überhaupt abhängig sind.. Wir haben aber, wie sich auch die Entwicklung immer gestalten mag, den Wunsch, mit den ja recht zahlreichen Bundesbrüdern, die heute bereits in Palästina sind (es sind zahlenmäßig beträchtlich über hundert), in gemeinsamer Überlegung einen Weg für unsere weitere Palästinaarbeit zu finden. Leider war es trotz unserer vielfachen Bemühungen nicht in ausreichendem Maße möglich, die Erfahrungen, die drüben bereits gemacht sind, für uns und den für die Weiterarbeit so dringend notwendigen Nachwuchs auszunutzen. Wir wissen, daß das Leben drüben an jeden Einzelnen rein physisch ungleich höhere Anforderungen stellt als im Galuth. Wir sind aber doch der Meinung, daß in unseren Freunden, die heute schon im Lande weilen, das Bewußtsein, erzieherisch und beeinflussend auf uns zu wirken, stärker werden muß, als es im Augenblick ist. Das Kartell, ein Bund, in dem das Gesetz der gegenseitigen Hilfe immer als eine der wichtigsten Forderungen anerkannt wurde, wird gerade auf diesem praktisch schwierigsten