Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 4 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Ein neuer Weg bung der Selbstwehrfähigkeit der jüdischen Bevölkerung zwecks Schutzes ihres Lebens und ihrer Habe. 4. Die demokratische Erweiterung der Agency. Viele unserer Programmpunkte und Grundsätze sind in den letzten vier Jahren von den offiziellen zionistischen Stellen angenommen worden. Die Exekutive nahm die Arbeit in Genf auf, Lipsky spricht schon über die Notwendigkeit einer gründlichen Änderung der englischen Politik in Palästina, der Waad Haieumi sandte bereits eine Delegation nach Genf und befürwortete sogar die Errichtung der jüdischen Legion. Die Exekutive in Palästina fordert jetzt die Änderung der Steuer- und Zollpolitik, — dies alles sind revisionistische „Sünden", für die man vor drei Jahren „Cherem" auferlegt hätte. Jetzt erscheinen alle diese Forderungen als Selbstverständlichkeiten; die Revisionisten werden aber trotzdem von allen offiziellen Stellen gescholten. Wie kann man sich dies erklären? Ich entsinne mich einer Iiistorischen Tatsache, die allerdings von größerer Bedeutung ist, aber als Folge ähnlicher menschlicher Psychologie zu betrachten ist — die Feindseligkeiten der ersten griechischen Christen den Juden gegenüber; nachdem die Griechen von den Juden alle ihre „falschen Lehren" übernommen haben, gaben sie sich alle Mühe, sich von den Juden fern zu halten, um nur nicht mit Juden verwechselt zu werden. Die „Offiziellen" wünschen es nicht, daß man sie mit den „unbequemen", so oft getadelten Revisionisten identifiziert, und fahren fort auf sie zu schimpfen, obwohl sie die verwerfliche revisionistische Lehre bereits übernommen haben. Aber auch wir, als stolze Juden, wir Zeloten des Revisionismus, wünschen nicht mit den „Offiziellen" verwechselt zu werden. Wir sind noch von der Aufrichtigkeit der „Offiziellen" nicht überzeugt; wir glauben gar nicht, daß man so schnell und leicht sich ändern, daß man die Psyche des Notablen loswerden kann und auf die Methoden der Hintertreppen-Politik verzichten wird. Es wird noch viel Zeit vergehen, bis wir Juden die kulturellen Methoden des politischen Kampfes für unsere nationalen Interessen zu gebrauchen erlernen und den stolzen Spruch auf uns verwenden werden: „homo sum et nihil humanuni mei alienum esse puto." In dieser Richtung muß man wieder unsere ganze Politik revidieren, wie wir es schon einmal zu Herzls Zeiten getan haben. Ein neuer Weg Von Walter Erhard, Berlin. Diese wenigen Zeilen sollen einmal unserer vornehmsten und wichtigsten Aufgabe — der praktischen zionistischen Arbeit — gewidmet >ein, damit alle diejenigen, die sie leisten und leiten sollen, über ihre Entwicklung in der letzten Zeit informiert und angeregt werden, an einer besseren Ausgestaltung der Arbeit mitzuwirken.