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Der jüdische Student · 1926-11-01 · Heft 4 (November 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 4 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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108 Was ist Revisionismus? für welchen die Interessen und Bestrebungen der englischen Regierung mehr bedeuten mußten als die Interessen der zionistischen Bewegung. Eine derartige Handlungsweise ist loyal und selbstverständlich vom Standpunkte Herbert Samuels, aber die Zionistische Exekutive muß vor allen Dingen als „summum jus" die Interessen des jüdischen Palästinas im Auge behalten, und ein blinder Gehorsam der Politik Samuels gegenüber war ganz unzulässig. Herbert Samuel, als ein echter westeuropäischer Notabel, mochte weiter keinen Lärm der jüdischen Sache wegen leiden und gab in Allem den antizionistischen Beamten und Arabern nach aus dem Prinzip heraus — „man soll keinen Rischuss machen". Das Nachgeben ging so weit, daß das Mandat faktisch annulliert war, und die Juden in Palästina in eine schlechtere Lage versetzt wurden, als in Argentinien und Kanada. Als ein echter „Gwir" fand er auch für richtig, daß Juden ihre Steuern den Arabern schenken und ihre eigenen Bedürfnisse (Schulen, Krankenhäuser, Schutzpolizei, Wegelegung etc.) aus der „Zedakah" decken sollen. In ihrem Kampfe gegen Samuels Politik stießen die Revisionisten auf Widerstand seitens der Exekutive, welche sich aus ihrer passiven Untertänigkeit der englischen Regierung gegenüber nicht aufraffen konnte. In ihrem wirtschaftlichen Programm führten die Revisionisten eine ganze Reihe gesetzgeberischer Reformen an, die notwendig waren als Voraussetzung für die Umwandlung eines unkultivierten, wenig bevölkerten Landes in ein kultiviertes, intensiv bearbeitetes und dichtbevölkertes. Um dieses zu erreichen und zwecks Förderung des Ackerbaues verlangten die Revisionisten die Zuteilung der Krongüter sowie die Beseitigung des Oschers, welcher den extensiven Großgrundbesitz unterstützt und das Anlegen von Kapitalien in den Ackerbau und seine Intensivierung behindert. Auf dem Gebiete der Industrie forderten die Revisionisten eine Aenderung der ganzen Zollpolitik, wTelche die Unterdrückung der lokalen Industrie bezwreckte. Die Exekutive legte leider den vorgeschlagenen wirtschaftlichen Reformen gar keine Bedeutung bei und sah die Rettung nur in der Heranziehung der philantropisch gesammelten Kapitalien. Die Revisionisten glaubten, indem sie die Notwendigkeit des Keren Hajessod aner kannten, daß dieser unnütz verschwendet wird, falls nicht die nötigen gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Den weiteren Konflikt zwischen Revisionisten und der Exekutive bildete die Frage der Erweiterung der Jewish Agency. Die Revisionisten verlangten die Einberufung von gewählten Delegierten des allweltlichen Judentums und protestierten gegen die Einladung allein der reichen Notablen amerikanischer Art. Nach der Ueberzeugung der Revisionisten bedeutete die Uebergabe der Macht an diese Personen den Verzicht auf die politischen Aufgäben der zionistischen Bewegung und die Herabsetzung der Bewegung zu einem philantropischen kolonisatorischen Unterneh-

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