Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 4 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Was ist Revisionismus? 107 Starke Unzufriedenheit bemächtigte sich weitester Kreise der Zionistischen Organisation, besonder^ aber der kreise der alten Zionisten, die seit vielen Jahren für den politischen Zionismus arbeiteten. Man verlangte eine selbständige aktivere jüdische PoKtik, und es bildete sich eine Oppositionsgruppe, welche in der ersten Zeit den Beinamen „Aktivisten" angenommen hatte. Die Gruppe wurde repräsentiert durch die Zeitschrift „Rasswjet" in Berlin; aber die meisten Anhänger erhielt die Gruppe in Palästina selbst, weil die Palästinenser schon die Folgen der neuen englischen Politik an eigener Haut zu spüren hatten. Die Juden wurden allmählich in Palästina zu Bürgern zweiten Ranges. Die antisemitischen Beamten wurden unanfechtbar, die antisemitischen Araber unterstützt, die Pogrommacher amnestiert, sämtliche zionistischen Pläne als unerwünscht unterdrückt. Die Juden in Palästina sahen sich plötzlich in einem neuen Ghetto — sie mußten Steuern zahlen, bekamen aber nichts für ihr Geld, wurden zu unerwünschten Fremdlingen, für die sich die Immigrationshindernisse immer mehr verstärkten. Zum 12. Kongreß 1923 bekam die Gruppe „Aktivisten44 eine bestimmte Form, indem sie ein politisches und wirtschaftliches Arbeitsprogramm aufstellte. Der Konflikt zwischen Opposition und der Exekutive verschärfte sich besonders in der Frage über die Erweiterung der „Jewish Agency". Die Aktivisten, welche sich zu jener Zeit bereits „Revisionisten" nannten, sahen in dieser Erweiterung die Auflösung des politischen Zionismus. In dem dem Kongreß vorgelegten Programm verlangten die Revisionisten aktive Politik in England sowohl, als auch in Jerusalem und Genf. Die Politik der englischen Regierung gegenüber durfte sich natür lieh nicht, wie die naiven Gegner des Revisionismus denken, in Feindseligkeiten äußern, sondern in einer systematischen Agitation in der Presse, in Versammlungen, Klubs und Regierungskreisen. So haben auch die Araber gehandelt, um in London Erfolge zu erzielen. Die Exekutive lehnte die von den Revisionisten vorgeschlagene Methode ab und führte den gewohnten Hintertreppen weg der alleruntertänigsten Verhandlungen weiter. Das Oberhaupt der Exekutive erklärte sogar, daß die Politik in den nächsten Jahren überhaupt keine Rolle spielen wird. In derselben ablehnenden Weise sprach sich die Exekutive bezüglich der Arbeit im Völkerbund aus, was die Revisionisten als Forderung in ihrem Programm aufstellten. Während die Araber Delegierte nach Genf entsandten, daselbst eine Zeitschrift herausgaben und ihre Forderungen beim Völkerbund aufstellten, hatten die Zionisten nicht einmal ihr zögerndes Memorandum richtig vorzulegen gelernt. In Palästina unterstützte die Exekutive blindlings die Politik von Herbert Samuel. Von iVnfang an traten die Revisionisten mit scharfer Kritik auf. Die Revisionisten sahen in der Politik von Herbert Samuel das typische Handeln eines jüdischen Notablen,