Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 4 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Das zionistische Bildungsproblem 10t dere Note seines Zionismus, immer in dem Festhalten an einer gewissen Geistesverfassung gesehen, die man gewöhnlich mit dem nicht ganz zutreffenden Namen „Idealismus44 bezeichnet. Es ist ja aber ein offenes Geheimnis, daß Idealismus nur so lange und insofern eine gesellschaftbildende Kraft darstellt, als er getragen wird von einer lebendigen Idee. Idee heißt aber nicht Phantom. Idee bedeutet Bild, also nicht Gespinst einer luftleeren Abstraktion, sondern ein in allen seinen Dimensionen wahrnehmbares und — was wichtiger ist — anschaubares, ein körperhaft greif bares Gebilde unseres Geistes. Der in der Anschauung des aus ihm selbst geborenen, ihm aber doch gegenständlich, d. h. sachlich gegenüberstehenden Bildes gebundene Geist, er allein schafft aus Menschen Gemeinschaft und in ihm allein liegt alles das beschlossen, was fähig ist, aus dem mechanischen Nebeneinander ein organisches Miteinander hervorzubringen. Diese Kraft, die aus der Anschauung der Idee entspringt, muß letzten Endes von uns als Ziel unserer Pädagogik verlangt werden. Denn sie wird nicht nur wieder die Dynamik des Willens bestimmen, sie wird, so weit Galuthexistenzen dazu überhaupt fähig sind, Voraussetzungen schaffen für die Fortentwicklung unserer Kultur, die Grundlage für eine neue Tradition und damit den Beginn eines Prozesses, in welchem die Einzelnen anfangen werden, Judentum nicht nur zu wollen, sondern wenigstens seinen elementaren Voraussetzungen nach, auch zu haben. Ich bin mir darüber durchaus im klaren, und ich bitte das bei der Diskussion ernstlich zu berücksichtigen, daß diese Voraussetzungen natürlich nur dann zu den normalen Folgeerscheinungen führen werden, wenn es uns gelingt, eben auf Grund dieser Voraussetzungen einen Neuaufbau des jüdischen Gesellschaftskörpers herbeizuführen. Ich glaube aber nicht, daß es auf die Dauer möglich sein wird, Menschen für diesen Neuaufbau zu gewinnen, wenn wir sie durch nichts anderes zu erfassen vermögen als durch ein, wenn auch noch so gut gemeintes, Ethos. Und ich sehe den entscheidenden Wert unserer Bildungsversuche eben in dieser ontologischen Fragestellung: wird es möglich sein, unseren Menschen über den guten Willen hinaus eine so klare Anschauung von dem kulturellen Entwicklungsgang und von dem geistigen Gesamthabitus unserer Nation zu geben, daß sie von dieser Anschauung aus nicht nur sich willensgemäß der Nation einfügen, sondern darüber hinaus in sich Maßstäbe, Urteilsformen, gewisse Imperative auf dem Gesamtgebiet ihres geistigen Seins erwerben, die sie aus der Umwelt herausheben, mit denen sie irgendwie an Längstvergangenes in unserer Geschichte anknüpfen und zu einer fernen Zukunft >sich selbst hingeführt sehen? Muß ich noch darauf hinweisen,, daß hier von einem „Wall" keine Rede ist? Nicht von der Konstituierung eines fertigen Judentums, sondern von den Voraussetzungen für ein solches ist die Rede. — Der Ausgangspunkt aber zu all dem ist das Dasein einer tragenden Idee, d. h. des.