Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 4 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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m - Das zionistische BilduQgsproblem Bildes, in welchem die Gesamtnation dem Geiste des Einzelnen erscheint Pädagogisch gesprochen handelt es sich also für uns um den Prozeß der Ideenbildung. Und auch hier ist die richtige Methode alles. Wer es vermag, jüdische Geschichte, Kulturkunde/ Demographie so darzustellen, daß sich in dem zu Bildenden ein klares Gesamtbild ergibt, daß in ihm der Begriff „Volk" körperhafte Form annimmt, der wird mehr hervorbringen als nur eine romantische Zionsliebe, er wird eben gerade Voraussetzungen schaffen für eine Realität sub specie des in einer langen Tradition gewonnenen Lebensbildes. Der Osten ringt mit diesem Problem nicht minder als der Westen. Die Frage eines „hebräischen Klassicismus" wird immer akuter. Man versucht, alle jene Un terrichtsgegenstände, die geeignet sind, Anschauungsmaterial zu liefern, für jene Art der Ideenbildung (es sind das im wesentlichen die Unterrichtsgegenstände, die man gewöhnlich unter dem Schlagwort „humanistische" begreift), wenn nicht überhaupt zu einer großen Disziplin zusammenzufassen, dann wenigstens so zu vereinheitlichen, daß sie sich jenem obersten Ziel in ihrer Ge samtgliederung einordnen. Wesentlich in diesem Zusammen hange ist, wie für den Osten, so ganz besonders für den Westen, die Erlernung und Beherrschung der hebräischen Sprache. Muß es noch gesagt werden, daß ein Volk seine Kulturgüter nur in der Sprache kennen lernen und geistig verarbeiten kann, in der sie geschaffen wurden? Ist es ein Zufall, daß die große Renaissance, die sich ja schließlich auf alle Gebiete des geistigen Lebens er streckte, ausgegangen ist nicht von Historikern oder Archäologen, sondern von der Sprachforschung? Und war es neben dem poli tiseh-geographischen Moment nicht auch ein Gefühl für die kulturschöpferische Bedeutung der Sprache, wenn eine solche Macht wie die katholische Kirche das Lateinische bis auf den heutigen Tag festgehalten hat? Im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit {zur Zeit des älteren Humanismus) war es den Schülern humanistischer Schulen in Deutschland bei Strafe verboten, eine andere Sprache, auch in ihrem täglichen Umgang, zu gebrauchen als das Lateinische. Wir werden — auch das soll an dieser Stelle gesagt sein — mit Verboten oder Geboten allein natürlich keinen Hebraismus schaffen. Wir können ihn nur schaffen, wenn unsere Führer zu der Erkenntnis gelangt sein werden, daß dieser Angelegenheit nicht nur eine programmatische, sondern eine vitale Bedeutung für unser AufbauwTerk zukommt, daß sie zum mindesten auf dem Gebiet unserer geistigen Fortentwicklung eine Frage von Sein oder Nichtsein ist. Wenn wir von diesen allgemeinen Erwägungen noch mit einem Wort zu den Konsequenzen schreiten wollen, die sich aus ihnen für das Kartell ergeben, so muß vor allem daran erinnert werden, daß das Kartell als eine Organisation in Deutschland schön dank dieser seiner geographischen Situation die Aufgabe haben sollte, mitzuarbeiten an der großen Synthese der Zukunft,