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Der jüdische Student · 1926-11-01 · Heft 4 (November 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 4 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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100 Das zionistische Bildungsproblem Wenn man von hier aus das eigentliche Gebiet des zionistischen Bildungsproblems betritt, so ist eine Aufgabe unmittelbar gegeben. Bildung heißt zunächst Wissen, und in dieser Hinsicht sind die beiden Fragen zu beantworten: 1. nach dem Quantum und 2. nach der Methode. Die Frage nach dem Quantum, d. h. nach der richtigen Auswahl derjenigen Stoffe, die für die Bildung des jüdischen Menschen von Bedeutung sind, hat bisher allzu sehr den Mittelpunkt all unserer Erörterungen gebildet. Wir haben uns immer nur gefragt, w a s gelernt werden soll, wieviel Paragraphen aus dem Rath, wieviel Abschnitte aus Graetz, wieviel Kapitel Palästinakunde. Wir müssen hier umlernen. Die gesamte moderne Pädagogik ist sich heute darüber klar, und es wird an uns sein, diese grundlegenden Dinge mit der nötigen Achtung zu verfolgen: daß der Stoff als solcher nicht pädagogisch relevant ist, sondern die Behandlung des Stoffes. Methodik erscheint uns heute wichtiger als der Kreis einer „abgeschlossenen Bildung". Und das ist für uns in zweierlei Hinsicht bedeutungsvoll. Einmal wird es sich bei der Behandlung der gesamten zionistischen Bitdungsmaterie darum handeln müssen, bei den zu Bildenden die Mitarbeit als solche, die Energie des seiner selbst bewußten und für sich verantwortlichen Menschen aus dem an sich toten StofY herauszuholen. Wissen, kann man sagen, hat einen Wert nur dann, wenn es sich jederzeit umzusetzen vermag in Energie. Es kommt also nicht darauf an, und es kann auch nicht unser Hauptziel sein, daß die von uns zu Bildenden in akademischer Weise Kenntnisse an sich registrieren, nicht die lineare Vollständigkeit auf irgendeinem Gebiet (etwa dem der jüdischen Geschichte und Kulturkunde), sondern die raumhafte Auswirkung irgendeines Kapitels oder Gebietes ist das Wesentliche. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht kein Zufall, daß in den jüdischen Schulen des Ostens die Mathematik einen so hervorragenden Platz im Lehrprogramm einnimmt. Wenigstens weisen ihre Verteidiger immer wieder darauf hin, wie groß die formalbildende Kraft des mathematischen Denkens ist. Das gleiche kann man aber auch von der Natur-Wissenschaft sagen, die bei richtiger Methode wohl imstande sein dürfte, die Mitarbeit des Lernenden in hohem Maße anzuregen und zu fördern. Und es ist demgegenüber eine beklagenswerte Tatsache, daß dieser Disziplin gerade in den jüdischen Schulen bis heute noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch der Sprachenunterricht wird in der modernen Pädagogik durchaus zur Entfaltung von Arbeitsenergien herangezogen, da es sich bei ihm heute nicht mehr allein um die Erlernung der Sprache als solcher, sondern um die selbsterworbene Kenntnis der Kultur und damit des Wesens fremder Völker handelt. Und die zweite Auswirkung jener Hegemonie der Methodik wird auch für den Westen in hohem Maße von praktischer Bedeutung sein. Der Westen, insbesondere Deutschland, hat mit Recht das Essentielle, die beson-

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