Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537621-3537623--6509-3544534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

79 ( ntersuchung über die wichtige Frage der intensiven und extensiven Landwirtschaft Auch die rntersuehungen »her Rentahilitätsf ragen reichen in» Grunde nicht;ujs. was /war sehr verständlich ist, da gerade diese Probleme nur dann klargelegt werden können, wenn genügend Einzelunter.^uchungen in jedem einzelnen Wirtschaftszweig vorangegangen sind, wobei Vergleiche mit anderen Wirtschaftsgebieten unbedingt erforderlich sind. Ks ist erfreulich, daß von der landwirtschaftlichen Ver suchsstation bereits in dieser Richtung Anfange gemacht werden. Besonders interessant sind die Untersuchungen Ruppins über die Selbstversorgung des jüdischen Siedlers. Ks wird gezeigt, wie die Autarkie notwendig hervorwächst aus der Konkurrenzlage des jüdischen Wirtschaftsbetriebes; wobei zwar betont werden muß. daß diese Autarkie nicht 7iim Dogma werden darf, sondern nur der gegenwärtigen Entwicklungsstufe der Kolonisation entspricht. Als Ergebnis des Ruppinschen Buches bleibt vor allem die Feststellung, daß erst durch die zionistische Organisation und ihre Siedlungs- Politik im Lande eine nationale und existenzfähige jüdische Landwirt schaft geschaffen worden ist, daß erst dadurch der Jude zum eigent liehen Landwirt geworden ist. und daß die zionistischen Siedlungen in ihrer besonderen wirtschaftlichen und sozialen Struktur bleibende Keimzellen des Aufbaus und der künftigen jüdischen Gesellschaft sind, — vielfach auch im Gegensatz zu den alten Kolonien Rotschilds und der P.J.C.A. Aber selbst dieses, vom zionistischen Standpunkt aus erfreuliche Ergebnis darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir im Grunde immer noch in der heroischen" Epoche der Kolonisation stehen, in der der Faktor persönlicher und nationaler Energie wirtschaftlich mindestens die gleiche Bedeutung besitzt wie einfaches ökonomisches Kalkül. Gute statistische Übersichten verlebendigen das Gesamtbild. — zwar nur für den, der Statistiken auch zu lesen versteht. Diverse Reform vorschlage werden hoffentlich nicht — wie bei uns nur gar zu oft ohne eingehende Prüfung einfach beiseite gelegt werden. III. Ganz anders als das Buch von Ruppin ist das Ruch von Pinn er zu beurteilen. Schon dadurch, daß es nicht von einem langjährigen Zionisten. sondern von einem Fernstehenden geschrieben ist, trägt es ein ganz anderes Gesicht. Im Ganzen merkt man dem Buch gegenüber dem Ruppinschen den theoretisch geschulteren Blick des Verfassers an. aber ebenso auch die geringere Kenntnis der typischen Palästina-Problematik. Immerhin ist das Eindringen in die besonderen Aufbauprobleme schon sehr tief für jemanden, der seine Kenntnisse hierzu im wesentlichen aus einem kurzen Aufenthalte im Lande geschöpft hat. Hat Ruppin als Praktiker die Wichtigkeit der Rücksichtnahme auf die Eigenart unseres Menschenmaterials betont, so ist es interessant, daß Pinner als T h e o r e t i k e r zu dem gleichen Ergebnis kommt. Wir finden bei ihm cm recht tiefes Verständnis für den Zionismus und die Erkenntnis, daß aer gesamte wirtschaftliche Aufbau nur zum Teil mit ökonomischen Maßstäben gemessen werden kann. Ja, er betont sogar, daß. wenn man allein vom kaufmännischen Gesichtspunkt ausgegangen wäre, der ganze Aufbau wahrscheinlich nicht hätte gemacht werden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.