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Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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80 Paiästina^Literötur können. Man hört den Theoretiker und die Wichtigkeit seiner klarer* Erkenntnis gerade für die Erfassung unserer Aufbauprobleme heraus, wenn der „Konflikt zwischen der rein ökonomischen Gegenwartsrechnung und dem Drängen nach nationaler Expansion*' immer wieder als ein Zentralproblem herausgestellt wirft. Bei der Untersuchung der einzelnen Probleme zwar wird meist — wie bereits gesagt — vom Autor nicht sehr tief geschürft, da häufig Kenntnis der Details fehlt, und manche Fragen sind eingegliedert in Skizzierungen allgemein-feuilletonistischen Stils. Manches jedoch bleibt wichtig genug, um besonders betont zu werden. So zeigt Pinner schärfer noch als Rlippin, wie das Ziel der Selbstversorgung des Siedlers aus der Not der Verhältnisse bervorgewachsen ist. und daß es deshalb nur zeitbedingt sein darf; man ist jedoch dann etwas enttäuscht, wenn zwar des längeren betont wird, daß die Kolonisation aus diesem Stadium herauskommen muß, — ohne daß auch irgendwie nur ein Weg dazu gezeigt wird. Wenn die* kommerzielle Eroberung des Exportmarktes hierbei einfach als notwendig hingestellt wird, so ist mit dieser Erkenntnis an sich wenig gedient; die Frage nach dem ,.Wie" wird nicht gelöst — kaum gestellt. Eindringlich prägt sich ein kurzer Satz ein, daß gerade das Scheitern industrieller Unternehmungen zum erheblichen Teil mitbedingt ist durch die Weltwirtschaftskrise und somit nicht unbedingt auf Konto der palästinensischen Verhältnisse gesetzt werden kann. Die Landwirtschaft wird noch als im Versuchsstadium befindlich gezeigt, aber dennoch wird bereits von einer Konsolidierung der Anfangsbasis und der vollzogenen Schaffung eines neuen Bauerntypus gesprochen — in der Tat bereits sehr viel, funige kurze Sätze über die l>esonderen Wettbewerbsverhältnisse geben zwar keine neuen Erkenntnisse, sind aber in ihrer kurzen Eindringlichkeit besonders klar. Ähnlich steht es mit der Beurteilung der städtischen Entwicklung der letzten Jahre. Erfreulich klar ist die Betonung der vorläufigen Grenzen der Industrie im Innenkonsum, deutlich die Worte über die Notwendigkeit eines „Großhungerns" der Industrie in diesem Anfangsstadium der Kolonisation. Scharf analysiert sind vor allem die verschiedenen Gründe, warum gerade Haifa zum Standort einer Großindustrie bestimmt erscheint. Auch der Hinweis auf die Notwendigkeit einer systematischen Organisation des Kapitalmarktes ist an sich wesentlich, ohne daß jedoch dabei in die besonderen Probleme nennenswert eingedrungen wird. Am klarsten zeigt sich vielleicht die Schärfe Pinnerscher Erkenntnis bei der Beurteilung der palästinensischen Arbeiterschaft als der Haupt trägerin des Aufbaus. Es wird gezeigt, daß die politische und wirt schaftliche Bedeutung der Arbeiterschaft im Lande nur möglich ist, weil und solange es ein eigentliches Unternehmerkapitai nur im begrenzten Maße gibt, — weil und so lange das Geld, das durch die nationalen Fonds ins Land strömt, ä fond perdu gegeben ist, und der ,.Spender" einen Anspruch auf Einwirkung nicht erhebt. Infolgedessen kann im Gegensatz zu der heute herrschenden Wirtschaftsordnung in Palästina die wirtschaftliche und politische Gestaltung in erheblichem Maße durch die Arbeiterschaft bestimmt werden Das stärkere Eindringen des Privatkapitats hat liier jedoch bereits eine Änderung gezeitigt, was an gewissen Beispielen, insbesondere an den Blau Weiß-Werkstätten, dar belegt wird.

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